Vom Wünschen bei Wahlen

Wir haben gewählt. Mal wieder. Aber anders als bei Landtags- oder Bundestageswahlen kommen die Gewählten aus unserem unmittelbaren sozialen Umfeld. Die Nichtgewählten auch.

Von solcher Struktursicherheit konnten die Brüder Grimm nicht mal träumen. Sie lebten in einer Zeit der Verzagtheit und Enttäuschung über die politischen Zustände. Von Wahlen und Wählbarkeit kaum eine Spur. Grimms setzten auf Hoffnung und auf „Zeiten, wo das Wünschen noch geholfen hat“.

Ihr Märchen „Vom Froschkönig oder der eiserne Heinrich“ ist die Moral von der Geschicht: Man muss gegebene Versprechen einhalten.  

Seien wir gespannt, wie unsere Kandidaten und ihre Parteien ihre Versprechen einhalten. 

Grimms mahnen im „Froschkönig“ weiter: Der äußere Schein trügt oft. Der glitschige, eklige Frosch wird ein schöner Prinz.

In der Politik erleben wir durchaus die Umkehrung: Manch Kandidat zeigt sich vor der Wahl als Prinz und entpuppt sich nach der Wahl als Frosch, aber ohne jene märchenhafte Verwandlungsfähigkeit.

Nach der Wahl – können wir nur hoffen – werden die vor der Wahl angekündigten Zielrichtungen weiter eifrig angestrebt, die Versprechen eingehalten.

Im Märchen holt der Frosch für die Prinzessin die in den Brunnen gefallene goldene Kugel wieder aus dem Brunnen. Die Prinzessin will aber nun ihr Wort - das Teilen eines gemeinsamen Bettes – nicht halten.

Erst das Machtwort ihres Vaters zwingt sie zur Einhaltung ihres Versprechens.

In der heutigen Politik gibt es – Gott sei Dank – keinen allein und alles entscheidenden Vater.

 Die frisch gewählten Kommunalpolitiker kommen an keinen Königshof. Sie stehen hoffentlich mit allen ihren jeweils zwei Beinen und kühlen wie warmherzigen Köpfen auf der Erde der Stadträte und Kreistage.

Plötzlich-überraschende Verwandlungen wie die vom Frosch zum Prinzen möge uns auch in den nächsten vier Jahren erspart bleiben. Verführungen zu solchen Verwandlungen gibt es derzeit reichlich. Auch Kontinuität birgt viel Kreativität in sich.

Unsere frisch Gewählten müssen ja keine goldene Kugel aus einer Brunnentiefe heben. Sondern nur halten, was sie versprachen.

Danach haben wir sie gewählt. Ob uns nun alle Gewählten und ihre Programme gefallen oder nicht – wir werden mit ihnen leben. Hoffentlich gut und friedlich in dieser Zeit. Denn weiter um uns herum sieht es derzeit nicht danach aus. 

15. September 2026