Das Böse in Allenbostel

Beim Nachbar Christoph sind mitten im Dorf Schafe gerissen worden. Vom Wolf. 

Ich bemühte die Wissenschaft bei Google, um mich in Sachen Wolf kundiger zu machen. Die Antworten – uferlos viele.

Uferlos sind allein schon die Interpretationen der beiden Grimm`schen Märchen (Rotkäppchen, Die sieben Geißlein). 

Den Wolf sehen wir als böse, als destruktiv an. Die Nachfolger des Wolfes, unsere Hunde, sind meist das Gegenteil: Anhänglich, verspielt und sie bieten Schutz. 

Und wie in meiner Großmutter in Celle. Die war die Liebe und Umsorge für andere in Person – und konnte fuchsteufelswild werden, wenn ich gegenüber einem der Hausmädchen frech wurde. D.h. sie wurde nicht fuchsteufelswild, sondern wolfsteufelswild. Und das als Pfarrfrau.

Der Wolf in Allenbostel ist relativ klar zu definieren: Er zeigt guten Geschmack, denn unser Dorf ist wirklich schön. Der Wolf hat erreicht, dass Allenbostels Name es jetzt auf die Schreibtische in ein hannoversches Ministerium geschafft hat. Und ins Internet.

Wir brauchen den Wolf. Er ist unser Projektionsschirm. Auf den können wir eine Menge unserer eigenen unangenehmsten Wesensanteile abschieben: Drohungen, Beißen, Reißen, Morden.

Der Wolf hat in unserem Unbewussten einen festen Platz. Keinen, der zum Streicheln und Kosen einlädt.

Die deutsche Post versuchte 2020 das Image des Wolfs zu ändern, indem sie drei Postwertzeichen mit dem Grimm`schen Wolf herausgab. Seitdem sehen die Institutionen der Freien Wohlfahrtspflege den Wolf sehr positiv. Denn der zusätzliche Centbetrag der Briefmarke ging an sie für ihre hilfreiche Arbeit.

Meine liebe Tante Ilse heiratete einen Wolf. Das war der Nachname ihres Mannes, der Pastor war. Da ließ sich lernen, dass es Wölfe nicht nur im Schafspelz gab, sondern auch im Talar. 

Der Psychoanalytiker Eugen Drewermann sieht im Wolf nicht nur das Böse, den Trieb, sondern auch positive Wesensseiten. Die alte Geiß im Märchen ist für ihn sowohl gute Mutter als auch der böse Wolf. Gegensätze also in einem Wesen. Genau wie in uns Menschen.

Unser Wolf sollte ins Ebstorfer Kloster gehen. Dort amtiert eine Äbtissin, die mit Vornamen Angela heißt. Zu deutsch: Engel. Schade, dass einer der früheren Pröpste Uelzens – er hieß mit Vornamen Wolf – Uelzen und sein Amt verließ.

Denn an Wolf und Engel lässt sich der Umgang mit Extremen dieser Welt bestens trainieren. 

 14. April 2026