Schlösser-Schicksal
Da steht es kürzlich wieder in der Zeitung. Mitsamt Vorder- und Rückseite: Schloss Holdenstedt.
Es sucht weiter eine verlässliche Zukunft für sich. So eine, wie seine frühere Vergangenheit mit der Familie von der Wense es war. Deren direkte Nachfahren leben bis heute gleich nebenan und haben ein umsichtiges Auge auf das Gebäude, das einmal „kulturell-gesellschaftlicher Mittelpunkt“ zur Zeit der blühenden Ritterschaft bis in die Neuzeit war.
So formulierte ich es – und schäme mich kein bisschen dafür, dass ich mich selbst zitiere – in meinem Roman „Geschichten aus Kl.Süstedt“. Seit langem nicht mehr lieferbar.
Im Kapitel „Die alte Dame“ würdigte ich die letzte Dauerbewohnerin, Hella von der Wense, geb. Freiin von Rössing und ihren Wohntrakt im Westflügel. Ich wohnte zeitgleich als Junggeselle in den anderthalb Zimmerchen des „Parkhäuschens“. Älter als das Schloss selbst.
Dann trat Christine in mein Leben und die alte Dame wurde moralisch. „Das ist anscheinend etwas Ernstes – die junge Dame kann Sie gerne tagsüber besuchen, aber schlafen wird sie bei mir oben im Schloss.“
So kam es. Die alte Dame war großzügig genug, Christine einen eigenen Schlüssel für den Schlosseingang zu geben. „Falls es nach 22 Uhr werden sollte“.
Sentimentale Erinnerungen? Glücklicherweise!
„Sentiment“ bedeutet im Französischen „Gefühl, Stimmung“. Hauptmerkmal: Rührung. Menschen, die den hohen Wert solcher Gefühle als „Gefühlsduselei“ abtun, sind zutiefst zu bedauern.
Denn „Sentimentalität ist das Sich-Erlaben an Gefühlen, die man in Wirklichkeit nicht ernst genug nimmt (…)“. Das schreibt Hermann Hesse 1917 im vorletzten Weltkriegsjahr.
Die Feldpostbriefe aus den Weltkriegsjahren und ebenso die E-mails und SMS in gegenwärtigen Kriegen wie dem zwischen Israel/USA und dem Iran weisen hoffentlich auch diese Art von Sentimentalität aus. Als Ausgleich zur Brutalität.
So wie der Anblick von Schloss Holdenstedt auch dies „Sentiment“ vermittelt. Auch wenn es – hoffentlich – bald renoviert sein wird.
17. März 2026