Richard der Jüngere
Sein älterer Bruder sammelt Waffen. Kleine, leichte. Handwaffen. Die kauft er fertig. Ausnahme eine Armbrust. Sein jüngerer Bruder Richard sammelt schwere Waffen. Panzer. Auch kleine. Genauer: Er sammelt nicht. Er baut selbst. Er baut auch Gebäude nach.
Tausende von Legobausteinen hat Richard bisher verbaut. So steht das Weiße Haus auch in Passow/ Mecklenburg-Vorpommern. Und noch größer breitet sich auf dem Fußboden die Pariser Skyline aus.
Nicht nur Panzer und tolle Gebäude baut Richard. Da Richard noch ein „älteres Kind“ ist, baut er auch Meister Eder und Pumuckl nach.
Angesichts der Waffen, den Pistolen wie den Panzern, denke ich, dass ich mit den Enkeln über Aggression reden sollte. Schließlich ist die jetzige Welt ausreichend voll mit Völkern, deren Staatenlenker das Wort „Krieg“ im Munde führen. Manche drohen damit. Einige von ihnen – es gibt sie in allen Zeiten – lassen den Worten vom Krieg die Tat folgen.
Christine fragt mich, ob ich denn nicht auch Krieg gespielt hätte. Wie ihre drei Brüder. Ja, hatte ich. Einige schwarz-weiß-Bilder im Photoband über meine Kindheit beweisen es: Ich als Indianerhäuptling. Ich mit dem Gummizug-Gewehr an einem Hl.Abend. Innerhalb des Hauses dürfe ich auch mit der Gummi-Munition nie zielen, geschweige sie abschießen. Nur im Pfarrgarten.
Als ich am 1. Weihnachtstag ein Huhn getroffen hatte, dass laut gackernd abhaute, wurde mit mir gesprochen. Sehr ernsthaft.
Ich habe nicht mit den Enkeln gesprochen. Das tut ihre Mutter. Auch sehr ernsthaft. Immer wieder mal.
Heute kam Post im Umschlag von meiner Kollegin Muthesius in Berlin. Mit einem auseinanderfallenden Leporello.
„Da gibt es nur eins: Sag nein.“ Es geht um das Nein zum Krieg. Generell und im Besonderen auf unser Leben.
Solche Neins haben keinen ewigen Frieden gebracht. Aber sie haben mehr zum Denken über Frieden geführt und zu mehr Widerstand gegen Krieg. Krieg im Kleinsten. Und in der Welt.
20. Januar 2026