Von Helden und Heldinnen

Ab und an in Dörfern lesen wir von ihnen: unseren Helden. In Stein gemeißelt oder mit Eisenbuchstaben auf Stein. Meistens folgen die Daten der Weltkriege. Ganz manchmal und in ganz kleinen Dörfern folgen noch Namen. Mit oder ohne eisernem Kreuz darüber oder darunter. Die Zahl der soldatischen Toten nach 1945:  6, 9 Millionen. Lauter Helden?

Das heutige Spektrum für ein anderes „Heldsein“ ist weiter, breiter. Manchmal zu sehr. Es gibt die „lauten“ Helden, die für Unüberhörbarkeit und Unübersehbarkeit auf allen Bühnen der Welt die Werbetrommeln schlagen. Bühnen für Künste und – nicht zu verwechseln mit ihnen – Bühnen für Unterhaltungsindustrien, Bühnen für Religionen.

Es gibt die leisen Helden, sozusagen Kammermusiker, und alle die, die ihrer Kunst und für Mitmenschen auf kleinen Bühnen leben – und nicht für sich selbst.

Es gibt die „stillen“ Helden, nie daran denkend, dies zu sein: Helden. Und zahlenmäßig ohnehin viel mehr: Heldinnen.

Vorteil der Pandemie: Stille Heldinnen und Helden sind derzeit nicht nur in ihrem pflegerischen und medizinischen Krisenmodus zu erleben und zu unterstützen, sondern auch zu sehen und zu hören mit ihrer kreativen Hilfsbereitschaft. Wenn sie vor Altenheimen und Kliniken musizieren. Wenn sie - für Dritte oft unsichtbar -  Essen dort beschaffen, wo es keines mehr gibt. Z.B. an den oft noch geschlossenen „Tafeln“.

Hilfsbereitschaft wächst wieder. Ellenbogen werden zwar immer und überall eingesetzt. Aber es gibt auch Ellenbogen, die sich für andere einsetzen.

Dagegen die Welt des Helden, der es unbedingt werden möchte. Es ist der Typus, der auf die Bühne klettert, indem er andere niedermacht. Typus a la Trump. Ein solcher ist angewiesen auf die Bestätigung euphorisierter Dritter, also kleiner Trumps, die – wenn schon nicht selbst Held - so doch Teil von einem vermeintlichen Held sein wollen.

Es gibt unsere Vorstellungen von Heldinnen und Helden seit der Antike mit ihren ganzen und halben Göttern als Projektionen unserer Sehnsüchte. Überwiegend laute Helden. Überwiegend männliche.

Von ihnen ist nicht bekannt, was wir vor und seit den Dichtern der Freiheitskriege gegen Napoleon (Theodor Körner, Ernst Moritz Arndt) und besonders seit Sigmund Freud wissen: Die Helden im militärischen Schlachtengetümmel sind oft die, deren Angst sie besonders mutig nach vorne treibt.

Den Bogen zum Bedürfnis nach Heldentum in uns selbst schlägt der Komiker Karl Valentin: „Mögen hätt ich schon wollen, aber dürfen hab ich mich nicht getraut.“ Der Karl ist ein großer Erfahrungspsychologe. Also einer, der nicht studiert hat. Aber dafür den Menschen studierte. Nicht Psychologie.

09. März 2021

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