Selbsterzählter Lebenslauf


Auf der Lüneburger Heide, in dem wunderschönen LandTV-Interview in Tokyo 1999 anläßlich einer Buchübersetzung und - präsentation):

 

Ich bin 1945 in Celle geboren - drei Tage nachdem mein Vater dem Hitlerdeutschland zum Opfer gefallen war. Aufgewachsen bin ich deshalb im großväterlichen Pfarrhaus, in dem meine Mutter ihrem Vater half. Es war eine Zeit "dazwischen" - zwischen Krieg und Frieden und "dazwischen" wuchs ich auch auf: Zwischen den Generationen von Großeltern und Onkel und Tanten einerseits und vielen jüngeren Vettern und Cousinen andererseits. Ich war Einzelkind in einer Großfamilie.

Wegen dieses "Lebens dazwischen" liebe ich vielleicht deshalb Brücken über Flüsse und Meere und das Darübergehen oder Daruntersegeln. Ich liebe besonders Arbeiten, die Brückenschläge sein sollen, weil diese etwas miteinander verbinden: Menschen, ihre Orte, ihre Länder...

Die Erforschung der Welt, in der ich lebte, fand in meinen ersten 13 Jahren weitgehend vom Bett aus statt, in dem ich wegen Polio und Tbc viel Geschichten erzählt bekam, später viel Geschichten las und noch viel später Geschichten zu schreiben begann. Außerdem wurde mit mir viel gesungen, musiziert und gespielt. Meine erste Lehrerin in allen Fächern wurde meine Mutter (mit Sondererlaubnis des Kultusministeriums), später bekam ich weitere Privatlehrer - alles Frauen, denen ich das Meiste vermittelte Wissen neben den Büchern und Noten verdanke.

Vielleicht ging ich deshalb in künstlerische und später therapeutische Arbeitsfelder, also Bereiche, die dem weiblichen Prinzip folgen. Vielleicht habe ich deshalb eine dankbare Beziehung zu Büchern, Wissen und Schule, weil ich später nur zwei Jahre "richtig" in eine Schulklasse ging und mich die Schule nur sehr kurz abschrecken konnte. Im Gegenteil: Was ich damals zu wenig hatte (Schule) treibe ich nun mein bisheriges Leben lang: Ich habe eine Lehrerin geheiratet (mit bis heute ständig wachsendem Erfolg). Wir lebten ein wichtiges Jahrzehnt in einer ehemaligen Dorfschule. Ich bin sehr gern auch in der (Sonderschul-) LehrerInnen-Ausbildung tätig...

unfreiwillig gerahmtAngeblich (sagen andere und schreiben andere) bin ich heute in verschiedenen Berufen tätig - als Schriftsteller, als Psychologe und Musiktherapeut, als Wissenschaftler...Glücklicherweise habe ich jedenfalls immer dieselben Partner und Gegenüber: Menschen.

Heute lebe ich mit meiner Frau Christine, den zwei Töchtern Dorothea und Friederike sowie Pferden, Fischen, Dackeln und Katzen in einem Dorf mit knapp 15o menschlichen Seelen in der Lüneburger Heide, einem Gebiet, das die Heimat meiner Vorfahren und meiner Kinder ist. Und meine. Und weil ich diese Heimat habe, kann ich heute besser reisen und verreisen - obwohl ich eigentlich nicht gerne reise. Ich war wohl in meiner Kindheit zu oft weg. In Krankenhäusern und Sanatorien.

Wenn ich jedoch reise, dann oft weit weg - wiederum zu Krankenhäusern und deren Forschungszentren, wo ich als Psychologe und Musiktherapeut und Forscher arbeite. Und mich an die frühe Zeit als Patient dankbar für die Menschen darin erinnere. Manchmal gehen diese Reisen bis auf die andere Seite unserer gemeinsamen Mutter. Die Mutter Erde.