Aus dem Vereinsleben / Pressespiegel

 

Hier finden Sie Neuigkeiten aus dem Vereinsleben sowie Pressestimmen über das Hans-Helmut Decker-Voigt-Archiv und Hans-Helmut Decker-Voigt.

 

 


Zum neuen Roman „Vom Kreuz mit den Haken – Feste feiern, bevor die Männer fallen", präsentiert auf der Leipziger Buchmesse 2017

Vollständig kapituliert
Die Familiengeschichte von H.-H. Decker-Voigt ist im Jahr 1945 angekommen


Rezension von Barbara Kaiser in der “Baarftgans“ 4/5 2017 Auszüge:


Die Handlung des Buches führt den Leser in die Zeit zwischen Dezember 1943 und Weihnachten 1945, erste Friedensweihnacht nach mörderischen Jahren. „ Vom Kreuz mit dem Haken – Feste feiern, bevor die Männer fallen“ lautet der fast zynisch anmutende Titel. Dabei suchten alle in dieser Zeit doch nichts mehr als ein wenig Zerstreuung, ein bisschen Normalität zwischen Bombenhagel und Schützengraben, in all den Unabwägbarkeiten und dem Bewusstsein, selber nicht frei von Schuld zu sein. (…)
Dieser Band IV bündelt mäandernde Erinnerungen und pralles Leben, Kirchengemeindeklatsch und Gestapoverhöre, Hochzeitsfeier in Kriegszeiten („bevor die Männer fallen“) und den Versuch, Gefühl zu erhalten oder zu entwickeln in einer Beziehung, die in Briefen stattfindet und nie frei von der Angst ist, der letzte Urlaub könnte wirklich der finale gewesen sein. (…)
Der Autor inszeniert das Schöne und Schlimme des Alltags, des Mittelmäßigen, auf eine Art, die den Leser immer zum Mitfühlenden macht. (…)
Der 72-jährige Autor hat sich auf einen sehr langen Weg gemacht mit seinen Büchern über das evangelische Pfarrhaus. (…) Und erschafft damit Gültiges.

 


Pressemitteilung der Hochschule für Musik und Theater Hamburg
Hamburg, den 15. November 2016 | Nr. 63 | 2016

 

Ehrendoktortitel für Prof. Hans-Helmut Decker Voigt

Die Medizinische Universität Orenburg (Russland) hat Herrn Professor Hans-Helmut Decker-Voigt, Musiktherapeut von der Hochschule für Musik und Theater Hamburg, den Ehrendoktortitel verliehen. Sie verleiht ihm diese Ehrung anlässlich seiner Arbeit im Rahmen des VI. internationalen Kongresses “Seelische Gesundheit der Bevölkerung auf der Grenze zwischen Europa und Asien“.

 

Die Urkunde wurde durch den Direktor der Medizinischen Universität Orenburg, Herrn Professor I. W. Miroschnitschenko im Auftrag des Wissenschaftlichen Rates überreicht. Gewürdigt wird die internationale Integrationsarbeit, mit der Herr Professor Decker-Voigt die phänomenologisch-entwicklungspsychologisch orientierte Musiktherapie in Medizin und klinischer Psychologie weiter etablierte. Die Medizinische Universität Orenburg wird diese Arbeit in Projekte einfließen lassen, die die Musiktherapie als Gesundheitswissenschaft in die ärztliche Weiterbildung integrieren.

Professor Decker-Voigt betonte, er nehme die Ehrung der Medizinischen Universität für sämtliche Akteure entgegen, die das Fach durch intensive Arbeit seit den 1970 er Jahren zur Gesundheitswissenschaft etabliert haben.

Der Präsident der Hochschule für Musik und Theater Hamburg, Herr Professor Elmar Lampson:

„Dies ist bereits die zweite große Ehrung für Herrn Professor Decker-Voigt in Orenburg. Bereits 2007 erhielt er eine Ehrenprofessur als Anerkennung für die Einführung eines Studienprogramms Musiktherapie nach dem "Hamburger Modell" an der dortigen Rostropovich-Hochschule. Nun schließt sich die Medizinische Universität Orenburg an und verleiht ihm den Ehrendoktortitel als Anerkennung für sein weltweites Wirken als Wegbereiter der Musiktherapie. Das ist eine große Anerkennung für das Lebenswerk Hans-Helmut Decker-Voigts und darüber hinaus sicherlich auch für die musiktherapeutische Bewegung von Bedeutung.“

Die Hochschule für Musik und Theater Hamburg und die Rostropovich-Hochschule sind seit 2007 durch einen Kooperationsvertrag verbunden.

Hans-Helmut Decker-Voigt war bis zu seiner Emeritierung Direktor des Instituts für Musiktherapie der Hamburger Hochschule für Musik und Theater. Decker-Voigt veröffentlichte Fachbücher, von denen die wichtigsten inzwischen in 14 Sprachen übersetzt wurden. Das „Lehrbuch Musiktherapie“ erscheint in diesen Wochen in China.

Der 1945 geborene Hochschullehrer, Psychotherapeut und Schriftsteller arbeitet derzeit an Büchern über Therapien für die Opfer von „Cyber-Mobbing“ sowie an seiner Familien-und Lebensgeschichte.

 


 

Meldung in der Russischen Presse zur Verleihung der Ehrendoktor-Würde an Hans-Helmut Decker-Voigt

(siehe auch Artikel in der Allgemeinen Zeitung für die Lüneburger Heide vom 09. November 2016, weiter unten).

 

Оренбургский государственный медицинский университет присвоил звание «Почётный доктор» музыкальному терапевту, профессору Высшей школы музыки и театра г.Гамбурга Гансу-Гельмуту Декеру-Фойгту по результатам его работы в рамках VI Международной конференции «Душевное здоровье населения на границе Европы и Азии»

В свидетельстве о присуждении звания, которое ректор Медицинского университета по поручению Учёного Совета торжественно вручил Гансу-Гельмуту Декеру-Фойгту в завершении конференции, отмечается «важность международной интеграционной работы, которую помогает осуществлять профессор из Германии, в целях внедрения в медицину и клиническую психологию опыта музыкальной терапии, опирающейся на феноменологию и психология развития» Уже в 2007 году вместе с великим маэстро Мстиславом Ростроповичем профессор музыкальной терапии Высшей школы музыки и театра г.Гамбурга был удостоен звания «Почётный профессор Оренбургского государственного института искусств им. Л. и М. Ростроповичей», вуза, который входит сегодня в десятку лучших в России. Будучи основателем и директором института музыкальной терапии Высшей школы музыки и театра, обладая опытом внедрения нового направления в ведущих вузах Венгрии, Тайваня, Эстонии, профессор Декер-Фойгт руководил тогда по поручению Немецкой Службы Академических Обменов первым в России курсом постдипломного обучения по специальности «Музыкальная терапия» для врачей, психологов и преподавателей музыки. С тех пор осуществляется постоянное взаимодействие между Оренбургским институтом искусств и Высшей школой музыки и театра г.Гамбурга в рамках договора о сотрудничестве. Оренбургский медицинский университет намерен включать наработанный опыт в проекты, которые будут интегрировать музыкальную терапию в качестве научного направления в систему последипломного медицинского образования. Ганс-Гельмут Декер-Фойгт является также автором книг и учебных пособий по теме «Музыкальная терапия», основные из которых переведены на 14 языков. В ближайшее время его «Учебник по музыкальной терапии» выходит в на китайском языке. Рождённый в 1945 году, преподаватель высшей школы, психотерапевт и писатель, Ганс-Гельмут работает в настоящее время над темой «Терапия для жертв интернет-преследования» а также над семейным романом-хроникой, центральной темой которого является деятельность антигитлеровского сопротивления, к которому принадлежала и его семья. Это послужило поводом его приезда в Оренбург в 2015 году, где он открывал докладом Международную конференцию «Искусство и война», приуроченную к 70-летию победы советского народа во Второй мировой войне. Обращаясь со словами благодарности к ректору Оренбургского медицинского университета, профессор Института музыкальной терапии Высшей школы музыки и тетра г.Гамбурга подчеркнул, что присуждение почётного звания для него означает признание специальности «музыкальная терапия»в целом, а также результатов деятельности всех тех, кто с 70-х годов XX века внедряет в жизнь данное направление в систему здравоохранения.

 

Hier die Deutsche Übersetzung:

 

Die MedizinischeUniversitaet Orenburg hat den Eherentitel “Ehrendoktor” demMusiktherapeut, Professor der Hochschule fuer Musik und Theater Hamburg verliehenalsErgebniss seiner ArbeitimRahmen des VI InternationalenKongresses “Seelische Gesundheit der Bevoelkerung auf der Grenzezwischen Europa und Asien”

In der Verleihungsurkunde, die der Rektor der Medizinischen Universität Orenburg im Auftrag des Wissenschaftlichen Rates zu Kongressende überreichte, wird „die internationale Integrationsarbeit gewürdigt, mit der Decker-Voigt die phänomenologisch- entwicklungspsychologisch orientierte Musiktherapie in Medizin und Klinischer Psychologie in führenden Rollen mit etablieren half.“ Die Universität verbindet damit auch die Hoffnung auf gemeinsame Projekte, die in die Ärzteausbildung und Patientenversorgung einfließen sollen. Bereits 2007 verlieh Orenburg durch die Orenburger Hochschule für Musik und Kunstwissenschaften, die laut russischem Ranking inzwischen zu den zehn besten Musikhochschulen Russlands gehört, dem Hamburger Professor für Musiktherapie der Hochschule für Musik und Theater Hamburg den Titel eines Ehrenprofessors der Kunstwissenschaften - zusammen mit dem MaestroMistlawRostropovitch. Hans-Helmut Decker-Voigt leitete dort nach Auslandsprojekten in Taiwan, Ungarn, Estland u.v. a. im Auftrag des Deutschen Akademischen Austauschdienstes neben seiner Arbeit als Gründungsdirektor des Instituts für Musiktherapie der Musikhochschule Hamburg einen ersten Weiterbildungsstudiengang Musiktherapie für Ärzte, Psychologen und Musikpädagogen. Seitdem besteht ein offizieller Kooperationsvertrag zwischen der Hamburger und der Orenburger Hochschule. Die Medizinische Universität Orenburg wird diese Arbeit jetzt einfließen lassen in Projekte, die Musiktherapie als Gesundheitswissenschaft in die ärztliche Weiterbildung integrieren. Decker-Voigt veröffentlichte Fachbücher, von denen die wichtigsten in inzwischen 14 Sprachen erschienen sind. Das „Lehrbuch Musiktherapie“ erscheint in diesen Wochen in China. Der 1945 geborene Hochschullehrer, Psychotherapeut und Schriftsteller arbeitet derzeit an Büchern über Therapien für die Opfer im Cyber-Mobbing und seiner Familien-und Lebensgeschichte, aus der heraus er, der selbst aus einer deutschen Widerstandsfamilie stammt, auch den Kongress „Kunst und Krieg“ 2015 in Orenburg eröffnete und der den Sieg der Roten Armee über Hitlerdeutschland mit ihm reflektierte. In seinen Dankesworten an den Rektor der Medizinischen Universität betonte der deutsche Professor, dass er die Ehrung der Medizinischen Universität auch für das Fach insgesamt entgegennehme und die Arbeit aller derer darin, die es seit den 70 er Jahren zur Gesundheitswissenschaft ertablierten.

 


Allgemeine Zeitung der Lüneburger Heide, 09. November 2016

Ehrendoktor-Würde aus Russland

Medizinische Universität Orenburg verleiht AZ-Kolumnisten Hans-Helmut Decker-Voigt Titel

 

Allenbostel/Orenburg. Ehrendoktorwürde für Hans-Helmut Decker-Voigt: Die Medizi­nische Universität Orenburg in Russland hat den Titel Ehrendoktor jetzt dem Allenbostler Musiktherapeuten und AZ-Kolumnisten verliehen. Damit würdigt die Hochschule - 1230 Kilometer südöstlich von Moskau - die Arbeit des Musiktherapeuten im Rahmen des VI. Internationalen Kongresses „Seelische Gesundheit der Bevölkerung auf der Grenze zwischen Europa und Asien”.
In der Verleihungsurkunde wird „die internationale Integrationsarbeit“ hervorgehoben, mit der Decker-Voigt die „phänomenologisch-entwicklungspsychologisch orientierte Musiktherapie in Medizin und Klinischer Psychologie in führenden Rollen mit etablieren half.“ Die Universität verbindet mit der Auszeichnung auch die Hoffnung auf gemeinsame Projekte, die in die Ärzteausbildung und Patientenversorgung einfließen sollen.

Der Rektor der Medizinischen Universität Orenburg, I.W. Miroschnitschenko (rechts), gratulierte Hans-Helmut Decker-Voigt
Bereits 2007 verlieh die Orenburger Hochschule für Musik und Kunstwissenschaften dem Professor für Musiktherapie der Hochschule für Musik und Theater Hamburg den Titel eines Ehrenprofessors der Kunstwissenschaften. Hans-Helmut Decker-Voigt leitete in Orenburg nach Auslandsprojekten in Taiwan, Ungarn, Estland und vor allem im Auftrag des Deutschen Akademischen Austauschdienstes neben seiner Arbeit als Gründungsdirektor des Instituts für Musiktherapie der Musikhochschule Hamburg einen ersten Weiterbildungsstudiengang Musiktherapie für Ärzte, Psychologen und Musikpädagogen. Seitdem besteht ein offizieller Kooperationsvertrag zwischen der Hamburger und der Orenburger Hochschule.
Die Medizinische Universität Orenburg wird Decker-Voigts Arbeit als Gesundheitswissenschaft in die ärztliche Weiterbildung integrieren. Decker-Voigt veröffentlichte Fachbücher, von denen die wichtigsten in inzwischen 14 Sprachen erschienen sind. Das „Lehrbuch Musiktherapie“ erscheint in diesen Wochen in China.
Der 1945 geborene Hochschullehrer, Psychotherapeut und Schriftsteller arbeitet derzeit an Büchern über Therapien für die Opfer von Cyber-Mobbing und zu seiner Familiengeschichte. Decker-Voigt stammt aus einer deutschen Widerstandsfamilie und eröffnete auch den Kongress „Kunst und Krieg“ 2015 in Orenburg, bei dem er den Sieg der Roten Armee über Hitlerdeutschland reflektierte.

 


Evangelische Stimmen, Nr. 6, Juni 2016

Vom Haken mit dem Kreuz

Jendris Alwast über das Buch von Hans-Helmut Decker-Voigt

 

Dr. Dr. Jendris Alwast ist promovierter Theologe und Philosoph, hat auch Germanistik, Geschichte und Soziologie studiert. U. a. hielt er 2015 einen Vortrag in der EZB in Frankfurt am Main über die „Legitimation Europas". Im Blick auf 2017 gilt seine Aufmerksamkeit derzeit dem Durchprüfen möglicher Synergiebünde­lungen traditioneller Bestände von Theologie, Philosophie und Kunst im Fokus eines breit aufgestellten und dialogisch belebten Protestantismus.

 

Der folgende Beitrag ist die Ergänzung eines Beitrages über die Roman-Trilogie von Decker-Voigt „Das Pfarrhaus“, der in den Evangelischen Stimmen im September 2015 erschien, (red.)

 

Mit dem dritten Band seiner Roman-Trilogie „Vom Haken mit dem Kreuz“ (2016), der Folgeerzählung zum „Das Pfarrhaus“ I + II (2015) thematisiert Hans-Helmut Decker-Voigt das dunkelste Kapitel in der deutschen Geschichte. Sinnfällig die Covergestaltung des neuen Bandes: Im Braunton die Koloratur des Systems, dann die Titel-Chiffre, die im Wortspiel Haken mit Kreuz verbindet, an dem jener scheiternd sich „verhakt“, weiter der Fragehinweis als was sich das „Dritte Reich“ in Wahrheit erwies, nämlich als „Kasperletheater mit Herrn Hitler“. Schließlich verdeutlicht das Hochzeitsfoto mit Braut, Offizier, Pastor und Blumenkind, wie gleichwohl gelebt wurde.

Der Roman öffnet den Blick für die Situation der evangelischen Kirche im „Dritten Reich“, deren opportune Mentalität eines Nationalprotestantismus die willfährige Öffnung dem völkischen Programm des neuen Rechtstotalitarismus gegenüber begünstigte. Die innerkirchlichen Konflikte zwischen den nationalsozialistisch infizierten „Deutschen Christen“ und den „Bekennern“ boten ein Bild heilloser Zerrissenheit. In dieser kirchlichen Bruch-Situation bezieht der Protagonist Pastor Georg Wilhelm Vogintius Position. Er wählt die exponierte Stellung eines Obmannes der „Bekennergruppe“ und damit, im Blick auf Gestapozugriffe, die mögliche Gefährdung auch seiner Familie. Das Leben müht sich durch die stickige Atmosphäre systemgewollter und -praktizierter Unsicherheit, genährt von Gerüchten, Halbwahrheiten, Verdrehungen, glatten Lügen, staatlicher Gewalt.

Brüche allenthalben. „Reichskristallnacht“ - eine euphemistische Verdrehung von Mord und Totschlag, aber in Wahrheit ein Pogrom und eine politisch inszenierte Erprobung der gesellschaftlichen Verrohung, von Bereitschaft für Gewalt und Kriegstauglichkeit. Zivilisationsbruch des „Dritten Reiches“. Bruch auch in der Familie. Ein Sohn, Marineoffizier, zeigt sich anfällig für den Führerkult. Aber schwerer und tiefer als die Verirrung des Sohnes greift der Ehebruch des Protagonisten, der den Vertrauensbruch nach sich zieht und zur Glaubenskrise sich auswächst, die den Sinnbruch meldet. Suizid der Geliebten. In der Selbstanklage das Schuldeingeständnis in dramatischer Selbstzerlegung. Im Zusammenbruch stürzt der Protagonist in das Elend seiner zerspaltenen Realität. Oder holt sie ihn ein? Der Autor lässt alles in produktiver Schwebe. Und „Christus“, zu dem bisweilen dialogische Nähe gelang? „Christus“ schweigt. Er meldet sich aber erneut, als der Protagonist ernst macht und seine Selbstabrechnung den tiefsten Punkt des Schmerzes wagt. In der Um-kehr meldet sich diesem ein neues Realitätsbewusstsein für das Brüchige in den Brüchen. Ihm wird die existentielle Gesamtlage klar. „Christus“, der Garant von Wirklichkeit und Sinn. Was aus den Fugen geraten war, fügt sich wieder, aber anders. Das narrative Kürzel „kristallklar“, das in vier Kapitelüberschriften des Textes den Leser zum Kern begleitet, signifiziert eine erschließende Bedeutungsgeschichte. Es ruft in die richtige Wahrnehmung der gesellschaftlichen und politischen Verhältnisse und es gibt das Erkennungszeichen für die aufrichtige Gesinnung, die im Handeln als aufrechter Gang auftritt.

Schlagartig und „kristallklar“ weiß der Protagonist, wie er sich zu stellen hat. Im Privaten seiner Ehe beginnt der langwierige Weg des Dialogs nach vorn im Knüpfen der Fäden, die das Netz eines neuen Vertrauens begründen. Im Politischen wird aus der anfänglichen Ablehnung des „Systems“ entschlossener Widerstand. Der Prediger wagt den entschiedenen Predigtton und wird Teil einer Widerstandsbewegung.

Andererseits zeigt die Routine des sozio-kulturellen Mechanismus im Pfarrhaus-Alltag Verlässlichkeit und gibt faktisch gelebte Orientierung nach innen wie außen, deren einfache Menschlichkeit als sein spezifischer Lebensausdruck ein irritierender Fremdkörper und per se ein produktives Ärgernis in der systematisierten Inhumanität des „Dritten Reiches“ bleibt.

Die auktoriale Erzählform des Werkes zeigt den Autor als „Spinne“, die alle Handlungsfäden aus einem immensen Quellenmaterial herausspinnt, sie zusammenhält und zu einem dichten, aber nirgendwo engenden Netz übersichtlich disponierter Beziehungen verknüpft. Das gelingt, weil der Autor die Tonarten der Lebensverhältnisse und Situationen beherrscht. Er spielt mit Konnotationen und generiert im Humor umgreifende Tiefe, wodurch er in seinen psychologischen und theologischen Deutungen, politischen Statements und alltagspraktischen Hinweisen jedwedes Verhältnis zurechtrückt auf Menschenmaß. Die Figuren und Situationen werden plastisch. Der Leser nimmt an ihrem Le ben mitfühlend teil. Es ist die Stilfigur der Synekdoche, die, inhaltlich wie textorganisatorisch, ihre produktionslogische Energie entfaltet und die Erzählsprache zu anschaulicher Allgemeinheit kultiviert. In dieser Vermittlunsleistung ist auch die konzeptionelle Sinneinheit der drei Bände begründet, die insgesamt die Detailfülle integrativ zusammenführt und homogen ins Bild setzt. Der Text entrollt ein Bild sich stets neu erzeugender und gleichwohl prekär bleibender Dialogik. Am Kreuz, dem Symbol des Lebens, entlarvt sich das Kreuz mit den „Haken“ als Chiffre des Todes, als Todfeind des Dialogs. Das nekrophile System des „Dritten Reiches“ „verhakt“ sich im obsessiven Klammergriff seiner selbst.

Auf einer noch tieferen Ebene ruft das Werk in das Projekt „Humanum“, in dem Freiheit sich, dialogintensiv realisiert, mit Demut verbindet, die als Gleichklang des Gemüts Hochmut wie Kleinmut gleicherweise meidet. Freiheit und Demut realisieren die Energiepotentiale in der Sinngrund-Formel „...was Christum treibet“. Dieses Diktum Luthers, bibeltheologisch gemeint, reformuliert sich in dieser Erzählung als die existentielle Erinnerung an das, was im Menschen „treibt“ und ihn antreibt. Es ist das unverfügbar Immerseiende, der Sinn, den er sucht, wie auch das ihm Verfügbare, der Dialog, der prekär bleibt, aber humanoffensiv und initiatorisch sich fokussieren will und kann.

Es ist die narrative Erinnerung an Prinzip und Seinsgestalt des Protestantischen, an den gelebten „Christus“ im aufrechten Gang. „Vom Haken mit dem Kreuz“- das literarische Werk zum Reformationsjubiläum 2017.

 


 

 

 

Barftgaans, April / Mai 2016

GESCHICHTE UND GESCHICHTEN

Die Pfarrhaus-Familiensaga von Hans-Helmut Decker-Voigt geht weiter

Das Ende des dritten Buches täuscht Ordnung und Glück vor: mit einer Hochzeit, die Elisabeth vor den Traualtar führt. Die älteste Tochter (*1916) von Pastor Georg Wilhelm Vogintius, der nach Bethel nun in Celle Dienst tut, konsequenter Pazifist blieb und einer der Obmänner der Bekennenden Kirche ist. Seine Söhne, Elisabeths Brüder, blieben bis jetzt am Leben.Professor Decker-Voigt Der hochbegabte Heinrich wurde sogar, welch segensreiches Fatum, durch die Intervention des Bräutigams nicht nach Stalingrad befohlen, sondern darf unter Griechenlands Sonne Forschungsarbeiten betreiben. Der nazi-fanatische Rudolf schwimmt, auszeichnungsbehangen, im U-Boot von Sieg zu Sieg, ist nur irritiert, als sein Bruder einmal nach den Menschen fragt, die Opfer seiner Kanonen werden. Wir schreiben das fünfte Kriegsjahr: Dezember 1943. Eigentlich wollte Hans-Helmut Decker-Voigt diesen Teil seiner Pfarrhaus-Familiengeschichte bis 1945/46 fortsetzen. Aber es war wie befürchtet: Der Stoff hatte ihn ein weiteres Mal überwältigt. Der Verlag allerdings setzte Fristen: Die Buchmesse in Leipzig sollte Erscheinungsdatum bleiben. Außerdem eignet sich die im nächsten Jahr zu Ende gehende Luther-Dekade, die mit den Feierlichkeiten zu 50o Jahren Reformation kulminiert, ausgezeichnet für die Veröffentlichung von Büchern über protestantische Befindlichkeit in politisch wirren, widersprüchlichen Zeiten.

Es war nicht falsch, ausgerechnet diesen Familien-Resümee-Zeitpunkt als Abschluss zu wählen, wird sich doch im Jahr 1944 und bis zur bedingungslosen Kapitulation des 1945er Mai noch eine Menge ereignen. Gerade für die gesellschaftliche Schicht, in der sich der Autor bewegt. Stauffenbergs Attentat wird die Kirchenkreise, für die Georg Wilhelm Vogintius steht, erschüttern. Sind sie doch involviert in die Pläne für ein „Deutschland danach". Wir wissen, dass Decker-Voigts Vater, oben genannter Bräutigam von Elisabeth, dieses Engagement mit dem Leben bezahlt noch kurz vor Kriegsende.

Aber in diesem dritten Buch, das soeben erschien, ist die Pfarrhauswelt noch in relativer Ordnung. Sieht man von den täglichen Schreckensnachrichten und der allgegenwärtigen Angst ab, gibt es lichte Momente auch in dieser düster-braunen Zeit. Decker-Voigt unterzieht sich erneut dem Kraftakt, Familie literarisch darzustellen und trotzdem dem Anspruch verpflichtet zu bleiben, politisch und gesellschaftlich allgemeingültiges festzuhalten. Denn die Frage ist doch: Was wird bleiben von dem, was jeder anders sieht? „Vom Haken mit dem Kreuz", so der anspielungsreiche Titel, ist das bisher beste Buch der drei vorliegenden. Keineswegs nur, weil es in der Region Celle — Uelzen — Hamburg spielt, obwohl Wiedererkennungswert dem Leserinteresse immer zuträglich ist.

Der Autor gesteht die Furcht, zu nahe dran zu sein, gibt eine gewisse Aufregung zu Protokoll, sich seinem Vater, den er nicht kannte (!), auf diese Art anzunähern, seiner Familie und allen, die deren Wege tangierten oder kreuzten, ein Denkmal zu setzen. Es ist eine lebendige Erinnerung geworden, ein Werk, das, weil es welthaltig ist, auch Selbsthelferbuch sein kann. Für den Schreiber und den Leser. Decker-Voigt bleibt der Autor der präzisen Intelligenz und Pointiertheit; in seinen Texten hat das gepflegte Wort eine Heimat und trotzdem wird es den jeweiligen Personen maßgeschneidert angemessen. Und er ist der Verführer zum Selber-Denken! Eine Eigenschaft, eine Fähigkeit, eine Bereitschaft, die sich beklagenswert auf dem Rückzug befindet in der Gegenwart allgemein, in der Konsumtion von Literatur allemal.Cover Teil 2

Die besten Bücher seien die, so sagte es der französische Philosoph Blaise Pascal schon im 17. Jahrhundert, „von denen jeder Leser meint, er hätte sie selber machen können." So betrachtet, ist die Pfarrhaus-Geschichte unbedingt „bestes Buch". Natürlich könnten wir Leser es dennoch nicht selber, weil wir nicht über die Dokumentenberge aus einer Familien-Dynastie verfügen. Deshalb bleibt für uns Geschichte immer auch nur von abstrakten Personen gemacht, weil wir keinen Großvater hatten, der sich leidenschaftlich mühte, predigte und schrieb gegen die braunen Machthaber. Der in regelmäßigen Abständen zur Gestapo nach Hannover geladen wurde und trotzdem das Leben behielt. Der Netzwerke knüpfte für Widerstand und Aufklärung, der sich um seine Kinder sorgte, seine Gemeinde und seine Frau, seine Dorothea. Die er liebte, auch wenn er ihr nicht immer treu war.

Es ist ein unglaublich großes Mosaik, das der Autor legt. Es spiegelt zehn Jahre des Makrokosmos Deutschland ab 1933 im Mikrokosmos des Pfarrhauses einer Celleschen Gemeinde. Decker-Voigt verbündet uns Leser mit den vielen Leben, mit deren kleinen Freuden und Ärgernissen — und mit der großen Herausforderung, gerade in dieser Zeit Mensch zu bleiben.

Er schreibt mit jagendem Puls, gibt sein Zeitzeugnis mit genauem Blick und filigraner wie (zu)packender Erzählkunst. Und trotz der 65o Seiten ist es keine neurotische Hefe-teigprosa, die in den trüben Wassern der Selbstgewissheit schwimmt und armselige Gedankensimulationen und dürftiges Geschehen zum Großereignis aufbläst. Form und Inhalt machen den Text zu einer Literatur, die uns Nachgeborenen in authentischen Bildern Geschichte nahebringt. Eine regionale Familiengeschichte in den großen historischen Abläufen eines Landes. Dieses Deutschlands, um dessen Handeln und seine Konsequenz zwischen 1933 und 1945 zu viele immer noch einen Bogen zu machen versuchen. — In Russland übrigens gehen die Vorbestellungen für die Übersetzung zahlreich ein! [Barbara Kaiser]

 


 

 

 

 

Russisches Journal " Heilung und Kunst", Ausgabe 18 Nr.2, Frühling 2015, S. 4-8

 

оразвитии музыкальной терапии в г.оренбурге

 

Da der Text in kyrillischer Schrift ist, stellen wir ihn hier im Original zum Download bereit.

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Im folgenden finden Sie eine Übersetzung ins Englische. Sobald der Text auf Deutsch vorliegt, folgt die Deutsche Ausgabe.

 

About development of musical therapy in Orenburg

 

 On March 12-31, 2015 in Orenburg was the XXI International scientific and practical conference "Actual problems of modern Art: Art and war", devoted to the 70th anniversary of the Great victory, organized by Orenburg state institute of arts of L. and M. Rostropovich with assistance of the Ministry of Culture and external relations of the Orenburg region.

In conference took part professor of art therapy, the founder and the editor-in-chief of the Music and Health magazine ("Musik und Gesundsein"), the head of the Center of researches in the field of therapy by creative self-expression of Institute of musical therapy of the Higher school of music and theater of Hamburg (Germany), the president of Academy of post-degree training of musical therapy of Fund of Herbert von Karajan took part in Cologne, honorable professor and the honorable doctor of OGII Hans-Helmut  Decker-Voigt.

He arrived to Russia as the lecturer, the writer and the scientist. In Germany, Professor H.-H. Decker-Voigt conducted researches in the field of musical therapy more than 22 years in five clinics and gave help to more than 2000 patients. Experience of the clinical work with people of different age — from babies to gerontological patients, based on use of therapeutic opportunities of music, it presented in more than 80 books, many of which are translated into various languages of the world. Within the conference H.-H. Decker-Voigt read a cycle of public lectures, held practical seminars for teachers, students, psychologists, psychotherapists.

In 2008-2009 with direct participation of H.-H. Decker-Voigt in Orenburg was realized the program of training of specialists in musical psychotherapy conforming to the international standards. It was the international project of post-degree training of musical therapy and musical psychology which is carried out by the Orenburg state institute of arts of L. and M. Rostropovich and the Institute musical therapy of the Higher school of music and theater of Hamburg (Germany) together with the Regional psychotherapeutic center of the Orenburg regional clinical № 2 and the German clinic Gut Wienebüttel in Lüneburg.

The program of training was based on the modular education system accepted in the western countries as a result of signing of the Bologna agreement. The total amount of a course made 440 class periods from which 360 class periods were taken away on lecture and seminar classes in musical psychotherapy. Though interest in therapy by art, in particular musical therapy, was noted in Orenburg and before carrying out this program, it stimulated further development of the musical and therapeutic direction on the basis of inclusion of the gained knowledge in scientific and practical approaches, characteristic for medical and educational institutions of the city. Results of practical work of local experts in the field of a music therapy were presented at plenary session within the project "Musical art and science in modern sociocultural space: Russia — Germany", which realized in 2013 in Orenburg by OGII of L. and M. Rostropovich. Scientific reports: T. V. Shuvalova ("History of development of musical therapy in Orenburg"), M. N. Iskanderov ("Experience of application of musical therapy in an individual therapy in the Orenburg regional clinical hospital №2"), V. N. Ponomarenko ("Experience of application of musical therapy in group therapy in the Orenburg regional clinical hospital № 2"), M. A. Glazeva ("Multimodal aspects of musical therapy"), N. A. Kaliman ("Musical therapy for children with autism").

This year on conference H.-H. Decker-Voigt attended a workshop of Orenburgs experts which practicing music therapy methods. M. A. Glazeva and V. N. Ponomarenko were leaders of workshop which took place in the Orenburg regional psychotherapeutic center on March, 14. Professor was directly involved in group work with patients of the Center and positively spoke of it. Within visit to Orenburg professor also visited psychology faculty of Orenburg university where he meeting with students and teachers, and also give public lecture "Musical therapy and logo therapy. Further development of the concept of Victor Frankl and Karl Jaspers in application of methods of deep psychology".

What expect the person in a critical situation and how he expects it? How it happens, what people differently endure a traumatic event? What to do in boundary situations of our existence (death, suffering, fight) before the face of "general unreliability of the world" (K. Jaspers) collision with which is inevitable sooner or later? During lecture Professor suggested audience to reflect about those Questions. Timeliness of discussion of these subjects for psychologists is undoubted.

In the modern promptly changing world people feels instability and integrity of the existence and feels the increasing need for ordering of life — both internal and external. Support in overcome life’s calls — one of the purposes of activity of psychotherapists and psychologists of this day. The psychologist, by definition A. G. Asmolov —"master of dissimilarity" seeking to see the unique personality in each person, rising against average approach to rendering the professional help. Therefore in activity of the helping experts an important role is played application of the methods focused on disclosure of identity of the person and connected with his creative self-expression, in particular music therapy.

As exact expression of this idea designating the most important principle of work of experts of art-therapy orientation to creative identity of the client, characteristic for domestic (Russian) model of the system art therapy (SAT) of A. I. Kopytin. Creative identity is presented to SAT as dialectic unity of universality and uniqueness of the personality, as the leading factor of creative activity and regulation of the relations and the self-relation.

Creation in the course of psychological assistance to the client in organized creative and interpersonal space helps the client to express, accept and realize itself in these two complementary forms, gradually to order internal chaos, to overcome feeling of discrepancy or emptiness of existence, increases its ability to operate own life.

The person finds sense in a concrete situation when realizes possibilities of creative action in relation to this situation. H.-H. Deker-Voigt visited to Diakonichesky center " Touch" where held for experts a seminar practical work "Modern models of practical musical psychotherapy and their value for society in general from the point of view of a salyutogenez". The staff of the Center headed N. A. Kaliman created unique for our city the correctional developing environment for development of children with difficult violations, frustration of an autism including training, a unique for our city, art therapy, game correction. Professor who was repeatedly visiting the Center during the previous visits to Orenburg consulted the staff of the Center about difficult situations arising in the course of realization of musical methods with children.

One of considerable events of conference was the presentation of the novel of H.-H. One of considerable events of conference was the presentation of the novel of H.-H. Decker-Voigt   "The house of the pastor" within the subject "War and Peace — a Role of Church in a Resistance Movement to Hitler's Regime on the example of History of One Family" which took place in his 70- anniversary in a reading room of the Orenburg regional scientific library. The novel is based not only on the description of life of the family, but also includes original historical documents of that period. His father after participation in military operations near Stalingrad and wounds joined the ranks of anti-fascist resistance and was executed before H.-H. Decker-Voigt's birth. The Professor expressed to Russia and its allies on the anti-Hitlerite coalition "gratitude in 70 years of the world" and hopes that culture, and music as its considerable part, will save the world with hatred and destruction.

Also in day of H.-H. Decker-Voigt’s   anniversary the Orenburg experts presented to him published in 2014 methodical grant "Musical psychotherapy: use of methods in stationary and ambulatoryconditions, in practice of psychotherapeutic rehabilitation and psychological correction" (M. A. Glazeva, M. N. Iskanderov, V. N. Ponomarenko, T. V. Shuvalova) which was result of theoretical generalizations and practical work of the Orenburg psychotherapists and psychologists.

 

 

 


 

 

 

 

Sonderdruck aus der Zeitschrift Musik und Gesundsein Nr. 27, Reichert Verlag, Wiesbaden 2015, S. 40-43

 

Zum 70. Geburtstag von Prof. Dr. Hans-Helmut Decker-Voigt

 

Aufgrund des komplexen Layout des Artikels geben wir ihn hier nicht in unserem üblichen Format wieder, sondern Sie können ihn im Original-Erscheinungsbild ansehen bzw. herunterladen.

 

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Sie können den Text des Artikels auch online auf den Internetseiten der Zeitschrift Musik und Gesundsein lesen.

 

 


 

Allgemeine Zeitung der Lüneburger Heide, 06. März 2015

 

 

Ein allrounder wird 70

 

Ein „Allrounder" wird 70: AZ-Kolumnist feiert in Russland

ap Uelzen/Allenbostel. Er ist Geschichtenerzähler, Wissenschaftler und Autor in einer Person: Hans-Helmut Decker-Voigt kennt keine Langeweile (Foto: Petersen). Jetzt wird der Allenbosteler 70 Jahre alt. Er hat bereits mehr als 1000 AZ-Kolumnen geschrieben. Doch die Beine hochlegen will Decker-Voigt auch künftig nicht: Er sitzt bereits auf gepackten Koffern. Seinen Ehrentag feiert er in Russland, wo er sich den Themen Krieg und Terror widmet. Seite 4

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Von Kunst und Terror-Feuer

Hans-Helmut Decker-Voigt wird 70 Jahre alt - und reist nach Russland

Von Anna Petersen

Uelzen/Allenbostel. Das Licht in Prof. Dr. Hans-Helmut Decker-Voigts „Studier-Stube“ erlischt selten vor drei Uhr nachts. Dort, wo tausende Bücher kreuz und quer zwischen Regalbrettem lagern, sitzt der 69-Jährige oft stundenlang und geht dem nach, was er als „Gestaltungstrieb“ bezeichnet: Er schreibt - Romane, Fachbücher, AZ-Kolumnen.

Und weil auch sonst im Leben von Decker-Voigt nicht viele Dinge so verlaufen, wie man sie erwartet, verwundert es nicht, dass er auch seinen 70. Geburtstag am 17. März nicht irgendwie begeht: Der Senior-Professor für Musikpsychotherapie der Musikhochschule Hamburg fliegt nach Russland, um dort auf Einladung der „Rostropovich-Hochschule“ beim Internationalen Kongress für Kunst und Wissenschaft über die künstlerische Verarbeitung von Krieg und Terror zu sprechen. Und mehr noch: Zu den 18 Terminen an zehn Tagen, die für die Reise im Terminkalender des Allenbostelers stehen, zählt auch eine Ehrung für seine Arbeit und eine Lesung aus seiner Romantrilogie „Das Pfarrhaus“ in der Staatsbibliothek. „Ich stecke in drei verschiedenen Schubladen“, erzählt Decker-Voigt, „und ich werde oft gefragt: Wer bin ich eigentlich?“ Diese Frage stelle sich dieses eine Mal nicht: Nach Russland reise er als Geschichtenerzähler, Literat und Wissenschaftler in einer Person - und die sei aufgeregt, gesteht der Mann, der ein Drittel seines bisherigen Lebens auf Reisen verbrachte.

So erreichten Decker-Voigts Kolumnen - 1012 wurden bis heute in fast 35 Jahren veröffentlicht - die Redaktion von den entlegensten Orten aus.Ich führe ein erfülltes Leben „Es ist bis auf Neuseeland alles dabei“, erzählt der Literat. Über den Computerbildschirm im Hintergrund wandern Bilder von Urlaubsorten, idyllischen Pferdewiesen und Familienfeiern, während er an die Zeiten des Telefax’ und der telefonischen Diktate zurückdenkt. Heute sichtet Decker- Voigt täglich bis zu 100 Mails und stellt dennoch klar: „Ich habe gerne Arbeit - ohne Workaholic zu sein.“ Nein, an Ruhe ist für den zweifachen Vater und dreifachen Großvater nicht zu denken. Ob ihm das Älterwerden etwas ausmacht? Ganz und gar nicht. „Mir geht es in den letzten Jahrzehnten so gut wie nie zuvor. Auch wenn meine Gelenke älter sind, sind sie besser zu benutzen als in den ersten anderthalb Jahrzehnten.“ Denn was viele nicht wissen: Decker-Voigt kam mit Kinderlähmung zur Welt, litt später unter Tuberkulose, was ihn über Jahre ans Bett fesselte. Doch während er von Aufenthalten in Krankenhäusern und Sanatorien berichtet, liegt in seiner Stimme kein Bedauern. Seine Kindheit, schließt er ohne Zögern, „war eine unendliche Glückliche“. Der Grund ist derselbe, der auch seinen beruflichen Weg in die Musiktherapie ebnete. „An meinem Bett waren immer Erwachsene, die mich liebten und mich unterhielten“ - vorzugsweise mit Musik, erzählt Decker-Voigt und sein warmer Blick verschmilzt mit dem Schein der Kerzen im Raum. „Für mich ist künstlerischer Ausdruck immer einer, der etwas verarbeitet“. Das hätten bereits die großen Dichter, Komponisten und Autoren nach den schweren Kriegsjahren beherzigt, und das sei auch jetzt, wo „viele kleine Feuer“ des Terrors in der Gesellschaft loderten, aktueller denn je. Um das in einem Land wie Russland zu vermitteln, verschiebt er sogar die Familiengeburtstagsfeier in der Heide. Dort, in seiner Studierstube, warten derweil nicht nur zahlreiche neue Einfälle darauf, zu Papier gebracht zu werden, sondern auch eine Vielzahl an Nilpferden - natürlich keine echten. Sie sind aus Stoff, aus Holz und Plastik, grinsen aus Bilderrahmen und von Postkarten, die ihm Freunde und Kollegen in Anlehnung an die Figur „Pummel“ geschenkt haben. So heißt das Nilpferd, mit dessen Geschichten der Allenbosteler einst eine neue Form der Entwicklungspsychologie zwischen Buchdeckeln entstehen ließ. Pummel begleiteten seine Leser bereits durch die Kindheit, die Pubertät und das Leben in einer modernen Patchwork-Familie. Bald, kündigt Decker-Voigt an, gehe Pummel ins Altersheim. Aber ohne seinen Autor.

 

 


 

ZWOELF - die Zeitung der Hochschule für Musik und Theater Hamburg, Ausgabe 16, Sommersemester 2015

 

 

Geburtstagseinladung an Hans-Helmut Decker-Voigt an die Rostropovitch-Hochschule für Musik und Kunstwissenschaften Orenburg/ Russland vom 11. - 19. März 2015

Der XVII. Internationalen Kongress für Kunst und Wissenschaft zum Thema „Kunst und Krieg - Aktuelle Probleme der gegenwärtigen Kunstwissenschaft» ist Veranstaltungen mit Hans-Helmut Decker-Voigt anläßlich seines 70. Geburtstags mitten im Kongress gewidmet. Das Orenburger Hochschulrektorat und ehemalige Studenten, die Ärzte und Psychotherapeuten des Psychotherapeutischen Zentrums Orenburg, die Decker-Voigt die Ehrentitel 2007 und 2009 Prof. h.c. der Kunstwissenschaften und Dr.h.c. verliehen, werden den Kongress ebenso wie seinerzeit die Musiktherapie-Ausbildungsgründung unter der Patronage des Kultusministers durchführen. Direkt am 70. Geburtstag wird neben den wissenschaftlichen Veranstaltungen auch eine Lesung aus der neuen Romantrilogie "Das Pfarrhaus" in der Staatsbibliothek stattfinden mit der darin enthaltenen Thematik des Widerstandes deutscher Offiziere und Theologen gegen Hitler am Bsp. der Familie Prof. Decker-Voigts. 2015 ist das Thema Kunst und Krieg aktuell wegen des 70. Jahrtestages des Sieges der Roten Armee über Hitler-Deutschland...

Dr. Tatjana Resnizkaja, Direktorin für Kultur und Kunst im Governement Orenburg, Professorin der Rostropovitsch-Hochschule fuer Kunst und Musik Orenburg, Koordinatorin des Projektes.

 


 

Allgemeine Zeitung der Lüneburger Heide, 26. Januar 2015

 

„Aus einer Pastorenfamilie?"

Hans-Helmut Decker-Voigt stellt im Neuen Schauspielhaus „Das Pfarrhaus" vor

ffr Uelzen. Reinhard Schamuhn hatte ihn „seinen“ Professor genannt und Johannes Vogt-Krause, als Vorsitzender des Vereins zur Förderung der Kunst im Kreativen Speicher mitverantwortlich für den Erhalt und die Weiterentwicklung des Neuen Schauspielhauses, möchte ihn gerne zu „unserem“ Professor machen. So jedenfalls kündigt er am Sonnabend Hans-Helmut Decker-Voigt an, den langjährigen Vertrauten und Begleiter des Schauspielhaus-Decker-Voigt liestGründers. Doch an die Vorgabe des ehemaligen Schuldirektors Vogt-Krause mag sich der Hochschullehrer Decker-Voigt („Typisch Lehrer“) nicht halten. Nein, er macht nicht nach 45 Minuten eine Pause, sondern überzieht den ihm gesetzten Zeitrahmen, um noch etwas über Dorothea, die Pfarrersfrau, zu erzählen. War Decker-Voigt eingangs noch fast in der Jetzt-Zeit, als er seine erste Begegnung mit Reinhard Schamuhn schildert - der Autor lebte zu der Zeit am Schloss Holdenstedt, als Uelzens verrücktes Huhn dort sein erstes Schlossgarten-Fest organisierte, so springt er im folgenden von der Holdenstedter Schlosskirche zu vielen anderen Pfarrhäusern im Lüneburg-Braunschweigischen und den dort den Beffchenträgern zur Seite stehenden Frauen. Die aus einer Lübecker und damit hansestädtischen Pastorenfamilie stammende Dorothea und ihr Angetrauter, Georg Wilhelm, sind es, denen Decker-Voigts Aufmerksamkeit gilt. Er macht keinen Hehl daraus, dass er mit dem literarischen Großprojekt „Das Pfarrhaus“ auch seine eigene Geschichte aufarbeitet - mehr als 30 Jahre hat er damit zugebracht, Tagebücher, Briefe, Notizen, Dokumente der Familien zu sammeln und zu ordnen. Teil eins besteht aus zwei Bänden, der erste umfasst fast 700 Seiten, der zweite „nur“ 650 Seiten und bezieht sich auf die Zeit zwischen der Schlacht von Langensalza und dem Ende der Weimarer Republik. In der Pause freut sich der Vortragende über anregende Gespräche mit Zuhörern, („Ach, auch aus einer Pastorenfamilie?“) und greift im zweiten Teil des Abends wiederholt auf die magische Zahl sieben zurück - sieben Kinder war die Norm bei Pastoren. Und so gab die Mutter dem damals 13-Jährigen anlässlich einer Radtour den Rat mit: „Zwischen Celle und Harburg kannst du in jedes Pfarrhaus gehen, wenn du was brauchst - mit den meisten sind wir verwandt...“. Durch alle Zeiten hindurch haben sich auch Geistliche am Hohen Lied Salomos orientiert, in dem die Liebe besungen wird. Mit besonderem Vergnügen ging Decker-Voigt darauf ein, dass er seinerzeit wahrscheinlich auf dem roten Sofa in der Sakristei der Schlosskirche zu Wien gezeugt worden sei... Jens Kunze bedankte sich bei Decker-Voigt ganz in Schamuhnscher Manier. Da der Verein nur wenig „Mäuse“ habe, um den Referenten zu bezahlen, überreichte er ihm eine Plüschmaus.

 


 

Uelzener Anzeiger, 14. Januar 2015

 

Aus neuem Roman und alten Quellen - Lesung mit Hans-Helmut Decker-Voigt

Uelzen. „Aus neuem Roman und alten Quellen" ist eine Lesung mit Hans-Helmut Decker-Voigt im Neuen Schau-spielhaus Uelzen überschrieben, die am Sonnabend, 24. Januar, um 20 Uhr veranstaltet wird. Zum ersten Mal nach dem Tod des Theatergründers Reinhard Schamuhn lädt das Neue Schauspielhaus Uelzen Profes-sor Hans-Helmut Decker-Voigt wieder zu einer Lesung im Neuen Schauspielhaus ein. Reinhard Schamuhn gab dieser schon früher traditionellHans-Helmut Decker-Voigt jährlichen Lesung mit „seinem hauseigenen Professor" (Decker-Voigt war Kurator des Theaters bis zum Tod dessen Gründers) am Anfang eines neuen Jahres den Titel „Neujahrsempfang." Diese Tradition soll auch unter der neuen Leitung des Hauses durch den Verein zur Förderung der Kunst im Kreativen Speicher fortgeführt werden. Diesmal wird Decker-Voigt unter anderem aus seinem neuen Roman „Das Pfarrhaus" lesen. Der erste Teil dieser Roman-Trilogie und Familiengeschichte über 500 Jahre hinweg wurde auf der letzten Buchmesse im Oktober vorgestellt und findet in der keineswegs nur christlichen Umgebung große Aufmerksamkeit. „Eine Mentalitätsgeschichte im Rang von Lessing, Benn und anderen," rezensierte der Kieler Philosoph Jendris Alwast und der „Nordkurier" schrieb: „Mit diesem Werk entstand wirklich Großes in vielerlei Hinsicht" Die ersten Leser wissen bereits: Neben überregionalem Handlungsgeschehen findet sich auch eine Fülle von Einbindungen der Hauptpersonen zwischen Lübeck und Hannover mit dem Zentrum Uelzen und Holdenstedt. „Unveröffentlichte Kolumnen" des AZ-Kolumnisten Decker-Voigt sind im Programm ebenso wie ein „literarisches Psychogramm" in Würdigung und im Andenken an Reinhard Schamuhn Untertitel: „Vom großen Herz in einem kleinen Schauspielhäuschen...". Auch zur Musik liest der im „Brotberuf' international angesehene und in 14 Sprachen übersetzte Musiktherapeut Decker-Voigt: Aus einem Sammelband, den der Reichert-Verlag Wiesbaden mit Kolumnen aus der AZ herausgibt. Titel: „Die komischsten Geschichten der Musik mit Menschen". Der Erlös aus dieser Veranstaltung fließt dem Verein zur Förderung der Kunst im Kreativen Speicher e.V. zu. Eintrittspreis zehn Euro. Eintrittskarten sind bei der Touristinfo am Rathaus Uelzen, Telefon (0581) 8006172 erhältlich.

 


 

Müritz-Zeitung, 08. Oktober 2014

 

"Das Pfarrhaus" - Eine bewegende Familiensaga

Aufgrund der komplexen Gestaltung des Artikels geben wir ihn hier nicht in unserem üblichen Format wieder, sondern Sie können ihn im Original-Erscheinungsbild ansehen bzw. herunterladen.


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Abschied aus dem Wissenschaftlichen Beirat der DMtG – Dank an
Hans-Helmut Decker-Voigt

 

Der hier hinterlegte Dankesbrief wurde auf der Homepage der Deutschen Musiktherapeutischen Gesellschaft veröffentlicht.


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Allgemeine Zeitung der Lüneburger Heide, 17. September 2014

 

Wahre Worte aus kleinen Kästen

Von Anna Petersen

Decker-Voigt auf dem Speicher

Hans-Helmut Decker-Voigt schreibt über das Leben im Pfarrhaus und seine Schattenseiten

Allenbostel. „Jetzt kriegen sie keinen Schreck", spricht Hans-Helmut Decker-Voigt noch eine schnelle Warnung aus. Dann öffnet er die Tür zu seinem „Materialraum". Der Hinweis kam zurecht: Hier türmen sich Bücher und CDs neben vergilbten Dokumenten, an der Decke baumeln mit Klebestreifen fixierte Ausdrucke verschiedener Buchcover. Wo der Professor für Musiktherapie auch seine AZ-Kolumnen verfasst, ist ein neues literarisches Großprojekt entstanden: „Das Pfarrhaus" — der erste Teil einer Roman-Trilogie, die bis 2016 insgesamt sechs Bände umfassen soll.
Darin steigt der Allenbostler, der selbst in einem Celler Pfarrhaus aufgewachsen ist, ein in die Kulturgeschichte evangelischer Pfarrhäuser am Beispiel der eigenen Familie. Da ist von Heiratspolitik die Rede, von Familiendynastien und einem gläsernen Pfarrhaus, das auch Schatten wirft. Schon früh, erinnert sich Decker-Voigt, habe er sich etwa für die verwandtschaftlichen Beziehungen der Pfarrer-Familien interessiert. Was viele nicht wissen: Bereits seit zwölf Jahren schreibt der Autor an seinem Werk, vor 40 Jahren begann die Materialsichtung. Denn Nahrung für die Familiensaga gibt es zuhauf in dem kleinen Speicher in Allenbostel: Briefe, zerfleddertes Buchwerk vergangener Jahrhunderte bis hin zu den Tagebüchern der Haushälterin seiner Großeltern —die Protagonisten des ersten Teils.

Decker-Voigt fischt eine kleine Schachtel — kaum größer als ein Mobiltelefon — aus demkleine Schachtel
Materialfundus und öffnet sie. Zum Vorschein kommen handgeschriebene Botschaften seiner Großeltern — liebevolle Zeilen, Verzeihungsbitten, Texte, aus denen auch Zweifel sprechen. Ob es ihm unangenehm war, die persönlichen Schriftwechsel zu lesen? Klare Antwort: „Für mich überhaupt nicht, weil ich beide Personen sehr liebe."
Sein Großvater war ein Widerstandskämpfer im Dritten Reich, ein charismatischer Mann, beschreibt Decker-Voigt seinen Vorfahren, der eigentlich Schauspieler hätte werden wollen, nicht Pfarrer und all jene Spannungsfelder erlebte, die sein Enkel in seinen Büchern beschreibt: jene nämlich zwischen christlichem und psychologischem Denken, dem Glaube an Hitler und dem Widerstand bis hin zur Untreue. „Wenn etwas schief ging im gläsernen Pfarrhaus, musste es verheimlicht werden", weiß DeckerVoigt. Das zeige sich „drastisch" in der Handlung seines Buches.
Was der Autor auf mehr als 1800 Seiten schreibt, basiert auf Fakten. „Und natürlich ist es auch eine Geschichte der Gegend", bemerkt er, denn Ausgangspunkt der Familiensaga ist das Holdenstedter Pfarrhaus. Von dort aus führen die Handlungsstränge bis ins Baltikum, gehen vom 19. und 20. Jahrhundert zurück bis ins Jahr 1507.
Dabei soll es aber nicht bleiben: Decker-Voigt steckt bereits in der Vorbereitung zu den beiden weiteren Teilen, die in spätestens zwei Jahren fertig sein sollen. Vorzugsweise zwischen 21 und 2 Uhr nachts recherchiert und schreibt er an seinen Büchern. Das Letzte mündet in den wilden 1968ern, verrät der Professor, „wo alles den Bach runter geht, nur nicht das Pfarrhaus." Das bleibe existent „mit einer ständigen Veränderung und Anpassung an die Bedürfnisse einer christlichen Gemeinde."

 

 

 


 

Allgemeine Zeitung der Lüneburger Heide, 12. Dezember 2012

Ein Advokat im eigentlich Sinn


Anlässlich des Todes von Rechtsanwalt Winfried Treptow

Winfried Treptow

Jeder Beruf prägt Klischees aus: Geldgierige Ärzte, machthungrige Politiker, Pfarrer, die an Unglaubhaftes glauben...Ein Celler Kind wie ich mit drei Gerichten und dem zugehörigen Heer von Anwälten lernt für Anwälte, was für Ärzte, Pfarrer, Handwerks- und andere Meister auch gilt: Wenn sie erfolgreich sind, sind sie " angesehen". Zum angesehenen Anwalt gehört das Klischee, dass er ein Fuchs sein muss, schlau bis gerissen, wendig und aggressiv.Letzteres im positiven Sinne für seinen Mandanten.
Der altbackene Begriff Advokat ist das Gegenteil vom „Winkel-Advokaten“: Das frühere Kirchenlatein nutzte den Begriff Advokat (von lat.ad-vocare= herbeirufen) als Bezeichnung des Hl. Geistes. Später wurde der Advokat als (Rechts-)Anwalt daraus. Winfried Treptow war ein echter.
Natürlich bin ich beim Tod von Winfried Treptow involviert - er war unsere Familienanwalt seit über 30 Jahren, aber auch ohne dies würde ich ihn hier zu würdigen versuchen, weil er dem Klischee so deutlich entgegenlebte. Hier ließe sich aufzählen, für was alles er juristische Fachqualifikationen besaß, aber mit denen profilieren sich andere auch. Vielmehr bestaune ich das, was seine Persönlichkeit abstrahlte: Eine auffallend fürsorgliche Aufmerksamkeit und Respektshaltung, die er Mandanten gegenüber zeigte, die sich ihm gegenüber auch so fühlten, wie ihre Rolle heißt: Mandanten (mandare=lat.=vertrauen, anvertrauen). Aber er wirkte ebenso der gegnerischen Seite gegenüberrespektvoll wie Richtern und Staatsanwälten, gerade dann, wenn er rollengemäß nicht deren Meinung teilte. Hier ließe sich aufzählen, was er in der Kommunalpolitik, in Verbänden, in seiner Kirchengemeinde gewesen war, ließe sich erzählen von seiner Liebe zu Büchern und Lexika, zu Literatur (nicht nur meiner, für die er seinerzeit ein gemeinnütziges Archiv gründete, das der frühere Bürgermeister Leifert als einzigartiges Modell beschrieb).
WinfriedTreptow erlebte wie jede Persönlichkeit, wenn sie diesen Namen verdient, auch Kränkungen, Neid, Intrige.  Ich habe Winfried Treptow nicht einmal in meinen Stunden mit ihm je etwas Nachteiliges, gar Beleidigendes, gar Unterstellendes, gar Destruktives über Dritte, Vierte sagen hören. Er verstieß damit gegen eben jenesKlischee, wie wir es in Romanen seit Honore Balzac lesen oder in TV-Anwalts- und Gerichtsfilmen sehen.
Er hatte etwas im liebevollen Sinne Patriarchales,  Beschützendes, wenn er einen um die Schreibtischecke biegend begrüßte und direkten Blick suchte. Sein großer, breiter, früher bärenhafter, dann schlanker Körper verstärkte diesen Eindruck vom großen Bruder oder Vater, den mancher gerne gehabt hätte. Seine MitarbeiterInnen und seine Familie zehrten davon ebenso wie er umgekehrt von deren Liebe. 

Ein Gutmensch in Anwaltsrobe? Eher jemand, der sich und seiner Erziehung aus einem Pädagogenhaus treu blieb, welche Aufrichtigkeit vermittelte, unzerstörbare Freude am Menschen. Winfried Treptow starb im Weihnachtsmonat, an dessen 24. Abend dann die Weihnachtsgeschichte nach Lukas 2 in den Kirchen verlesen wird, deren lateinische Fassung (Pax hominibus bonae voluntatis) nach einigen Übersetzungsverschiedenheiten („Friede den Menschen seines Wohlgefallens“) sich so übersetzt findet: Friede den Menschen, die guten Willens sind. Das reicht über christliche Grenzen hinaus. Als Advokat kam er zu denen, die ihn riefen. Erst als Person, dann in der Rolle.

Prof. Dr. Hans-Helmut Decker-Voigt

 


 

zwoelf (Die Zeitung der Hochschule für Musik und Theater Hamburg), Ausgabe 10, Sommersemester 2012

 

 

Brückenbauer zwischen den Disziplinen Hans-Helmut Decker-Voigt emeritiert


von Hermann Rauhe*

 

Schon als er 1971 als Fachhochschullehrer an die Evange­lische Fachhochschule für Sozialwesen nach Düsseldorf - ­Kaiserwerth berufen wurde und den Aufbau der Musikab­teilung mit ersten vorsichtigen Lehrangeboten für Musik­therapie wagte, setzte er sich mit meinem Ansatz der Musiktherapie auseinander, den ich vor dem Hintergrund meiner klinischen Untersuchungen zur Antriebsförde­rung durch Musik in der neurologischen Rehabilitation von Schlaganfällen zusammen mit dem Neurologen und Psychiater Robert-Charles Behrend entwickelt hatte.

Innovative Gründung
Hans-Helmut Decker-Voigt konzipierte maßgeblich das Curriculum des ersten berufsbegleitenden Diplom- Aufbaustudiengangs Musiktherapie, in dem das dezen­trale Prinzip eines berufsbegleitenden Aufbaustudiums nach amerikanischem Vorbild erprobt wurde. Diese innovative Hamburger Gründung orientierte sich spe­ziell am Masterprogramm für Ausdruckstherapie des damaligen Lesley-College in Cambridge. 1978 übernimmt unsere Hochschule die Verantwortung für das zweijäh­rige Musiktherapieprojekt „Ausbildung der Ausbilder in Herdecke“. Es wurde persönlich durch den damaligen Wissenschaftsminister und späteren Bundespräsidenten Johannes Rau ermöglicht. 1985 erfolgte die genannte Einrichtung des berufsbegleitenden Diplomaufbaustudiengangs. 1989 wurde die Fachgruppe Musiktherapie in das Institut für Musiktherapie umgewandelt. Nach der Emeritierung von Johannes Th. Eschen wurde Decker-Voigt zu dessen Direktor berufen.
Seit 1993 profiliert sich der neue Promotionsstudiengang Musiktherapie durch eine Reihe bedeutender Dissertationen. Im selben Jahr wurde die Forschungs- und Beratungsstelle für Musikerkrankheiten gegründet, sie bildete die Grundlage für die Entwicklung der Präventionsforschung und Präventionspraxis. Die Durchführung des 8. Weltkongresses für Musiktherapie im Hamburger Kongress-Zentrum CCH im Juli 1996 mit 2000 Teilneh­merinnen aus 54 Nationen war ein weiterer Meilenstein in der Entwicklung des Faches, ebenso der Abschluss eines Kooperationsvertrages zwischen dem Institut für Musiktherapie unserer Hochschule und dem Universi­tätsklinikum in Eppendorf. Danach dient das gesamte Universitätsklinikum als Lehrkrankenhaus für den Stu­diensang Musiktherapie: Das ist eine internationale Sensation.

Hamburger Modell ist Vorbild
Das Maßstab setzende Wirken von Hans-Helmut Decker- Voigt wurde von Anfang an großzügig unterstützt durch die Hannelore und Helmut Greve Stiftung für Kultur und Wissenschaften. Die Arbeit des Instituts für Musiktherapie erhielt einen erheblichen Aufschwung durch den Bibliotheksneubau, den Hannelore Greve persönlich finanzierte. Sie fördert auch die Entwicklung des ersten staatlichen Studienprogramms für Musiktherapie an der Budapester Universität nach dem Vorbild des Hamburger Modells und die Einrichtung eines Masterstudienprogramms für Musik­therapie. Dafür erhielt die Mäzenin die Ehren­doktorwürde dieser Universität. Auch an der Rostropovitch-Hochschule im russischen Orenburg wird ein Studienprogramm für Mu­siktherapie nach dem Hamburger Modell eta­bliert: Dafür erhielt Decker-Voigt die russische Ehrenprofessur.
Nach seinem Ausscheiden als Institutsdi­rektor widmet sich Decker-Voigt vornehmlich der Musiktherapie und Lehrmusiktherapie, der Psychotherapie, Hypnose-Therapie, Supervision und Lehrsupervision sowie dem Coaching für Führungskräfte. In seiner Privatpraxis hat er vor dem Hintergrund eigener Erfahrung des Verfolgtwerdens im Internet als Schwer­punkt die Behandlung von Opfern des Cyber-Mobbings. Außerdem ist er als Buchautor, Herausgeber und Kolum­nist tätig: Auch hier setzt er immer wieder Maßstäbe. Seine Publikationen sind in elf Sprachen übersetzt. Er nimmt Cast- und Stiftungsprofessuren in Japan, Taiwan, Ungarn, Estland und Russland wahr.

Was ich an Hans-Helmut Decker-Voigt immer wieder bewundere, sind seine Begeisterung, sein Charisma, seine Vitalität und seine Vielseitigkeit. Sein Wirken bewegt sich im Schnittfeld von Wissenschaft, Praxis, Kulturmanage­ment und Schriftstellerei. Er ist Brückenbauer zwischen den Disziplinen und Ländern.

 

* Professor Dr. Dr. h.c. Hermann Rauhe war 26 Jahre lang Präsident der Hochschule für Musik und Theater Hamburg, er ist jetzt ihr Ehrenpräsident.


 

Hamburger Abendblatt, 13./14. August 2011

In ihrer o.g. Ausgabe widmete das Hamburger Abendblatt eine ganze Seite dem Thema Musiktherapie. Im Folgenden geben wir die zwei Haupt-Artikel dieser Seite wieder.

Beide Artikel wurden geschrieben von Manuela Keil

 

Töne geben Kranken neue Kraft

Vom Schrei-Baby bis zum Patienten in der Geriatrie - Musiktherapie wird neben der Onkologie auch in weiteren Bereichen der Medizin eingesetzt

Bach, Beethoven oder Beatles? Wann wird Musik als wohltuend erlebt? Welche Art beruhigt, welche bewegt und stimuliert? Sind es Klänge von Vivaldi oder lieber die Stones, Jazz oder Rockballaden? „In der Musiktherapie geht es nicht um Berieselung mit Klängen. Wir arbeiten viel mit Stille", sagt Prof. Dr. Hans-Helmut Decker-Voigt, Leiter des Instituts für Musiktherapie in Hamburg bis 2010, seitdem dort Senior-Professor. „Und aus der Stille heraus wirken dann Töne, Klänge, Worte, äußere und innere Bewegungen mehrfach.« Musiktherapie könne viel bewirken, indem die Klänge Kräfte freisetzen und die Psyche beeinflussen. Sie sei dagegen jedoch nicht - wie vielfach angenommen wird eine unschädliche Wunderarznei in Noten.

„Bereits im Mutterleib erleben wir alle Elemente der Musik wie Rhythmus, Dynamik, Klang, Melodie. Das prägt uns lebenslang", sagt Decker-Voigt. Zudem sei es im Mutterleib mit bis zu 98 Dezibel richtig laut, ohne den Schalldruck würde unser Hirn nicht wachsen. In den letzten Monaten der Schwangerschaft erlebt das Kind die Sing- und Sprechstimme der Mutter. „Später verstehen-wir zwar nicht die Sprache unserer Eltern, aber die Musik darin und damit die Stimmungen, Emotionen des Sprechenden. Wir wachsen musikalisch auf. Das nutzt die entwicklungspsychologisch verstandene Musiktherapie als Ressource." Auch zur Aufdeckung und Steuerung der Selbstheilungskräfte.

 

Beim Improvisieren wird der Umgang mit dem Neuen, mit dem Krebs, geübt

„Eine Patientin, die ein Bild zu dem Krebs in ihr malt oder auf Instrumenten und mit der Stimme ihrer Empfindungswelt dem Krebs gegenüber Ausdruck gibt, wird aktiv, kann mitgestalten, transportiert Inneres nach außen. Es entsteht ein Austausch mit dem Therapeuten, künstlerisch und im Gespräch. Auch die mit der. Krankheit verbundenen Ängste, Hoffnungen und Wünsche werden in der improvisierten Musik deutlich und ändern sich. „Beim Improvisieren - Im-pro-visation meint wörtlich das Unvorhergesehene - wird der Umgang mit dem Neuen geübt. Denn Leben mit Krankheit, Störung, Krise heißt: Umgang mit Neuem üben", sagt Prof. Decker-Voigt. Damit gestalte der Patient aktiv seinen Krebs und sei ihm nicht passiv ausgesetzt. „Wir haben hoffnungsarme Fälle erlebt, die medizinisch nicht erklärbar erstarkten - eine Leistung unseres Psycho-Neuro-Immunsystems."

Vor rund 50 Jahren entwickelte sich die Musiktherapie zunächst im Umgang mit behinderten Menschen sowie in Psychiatrie und Psychosomatik. Heute wird neben der Onkologie die Musik in allen Bereichen der Therapie und Medizin eingesetzt. Bei Herzinfarktpatienten, Tinnitus, Burn-out, Depression, Borderline, traumabedingten Störungen, Schlaganfall, Schmerzpatienten, Migräne, Aphasie, Autismus, Intensiv- und Palliativmedizin. Dies sind nur einige der vielen Einsatzgebiete der Musiktherapie, die zudem im Bereich Prävention und Salutogenese (Gesundheitsentwicklung) immer mehr Raum einnimmt.

Prof. Decker-Voigt forschte mehr als 22 Jahre an fünf Kliniken und hat weit mehr als 2000 Patienten behandelt. In seinen zahlreichen Büchern beschreibt der Wissenschaftler und Therapeut Fallbeispiele aus allen Bereichen des Lebens - vom Schrei-Baby bis zum Patienten in der Geriatrie.

Im Musikraum des Krankenhauses Ginsterhof in Rosengarten stehen Instrumente aus verschiedenen Ländern: kleine, große, leichte, geheimnisvolle und ganz fremdartige Klangkörper. Musiktherapie wird seit mehr als 25 Jahren in der Klinik für Psychiatrie und psychosomatische Medizin angeboten. Hier werden auch Patienten mit Traumafolge-Erkrankungen behandelt. Der Kern der Therapie in Einzel- und Gruppensitzungen ist die Improvisation. Dafür lädt Musiktherapeut Thomas Jüchter die Patienten zunächst ein, auf Tuchfühlung mit den Instrumenten zu gehen. „Ein wichtiges Thema in der Behandlung psychosomatischer Patienten ist der Verlust von Harmonie, also der Ausgewogenheit der Kräfte, die sich in körperlichen Beschwerden manifestieren. Die Aussage ‚ich bin harmoniesüchtig' weist ja auf eine abhängige Problematik hin, aber auch auf eine musiktherapeutische Indikation." Vielfach sei der Verlust von Balance auf traumatische Erlebnisse zurückzuführen.

Auch das gemeinsame „Chanten", das Singen um des Singens willen, kann Harmonie erlebbar machen oder wiederherstellen. „Es gibt kein besseres und wirksameres Mittel, das psychoemotionale Belastungen auflöst, Lebensmut stärkt und Selbstheilungskräfte reaktiviert als das Singen", sagt Hirnforscher Gerald Hüther.

Ein weiteres Beispiel ist die Arbeit mit Angehörigen von hirnverletzten Patienten. „Die Angehörigen verzweifeln häufig in der verbalen Kommunikation und sind selbst therapiebedürftig", sagt Prof. Decker-Voigt, einer der bekanntesten Fachautoren mit Übersetzungen in 14 Sprachen. „Sie begreifen, dass sie durch die Musik ein neues Kommunikationssystem zu ihren erkrankten Angehörigen aufbauen können." Es sei beeindruckend, wenn da Menschen zusammen sind, die, angeleitet durch den Therapeuten, sich wieder austauschen können. Und zwar auf der für sie wichtigsten Ebene, der Gefühlsebene.

Bei allen Erfolgen sei die Musiktherapie immer individualisiert auf den einzelnen Patienten zu beziehen, betont der renommierte Therapeut. Eine immer heilende Musik gibt es ebenso wenig wie eine immer beruhigende.

 

 

Gemeinsames Musizieren kann Ressourcen freisetzen: Therapeut Gerhard Kappelhoff mit Jacob im Kinderkrebszentrum der Uniklinik Eppendorf .
Foto: Pressebild.de/ Bertold Fabricius

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„Wer musiziert, ist gesünder”

 

Trotz der Erfolge der bundesweit 3000 diplomierten Therapeuten an 800 Kliniken ist keine Krankenkassenabrechnung möglich

 

Über die Kraft der Musik und ihre therapeutischen Möglichkeiten sprach das Abendblatt mit Professor Dr. Hans- Helmut Decker-Voigt, Mitbegründer und Direktor des Instituts für Musik therapie der Musikhochschule Ham­ burg bis 2010.

Hamburger Abendblatt : Was kann Musik positiv bewirken?

Hans-Helmut Decker-Voigt: Ist eine zum Beispiel ruhige Musik, die jemand hört, positiv für ihn besetzt, löst das die Frei setzung von Beta-Endorphinen aus, die zur Senkung des Grundumsatzes füh ren und zur Schlafbereitschaft, kurzum zur Entspannung und zu Glücksgefüh len. Diese Wirkungen werden vor allem in der Musikmedizin bei der Anästhesie genutzt. So können wir die gegebenen Anästhetika bis zu 70 Prozent senken, nur durch die Trancewirkung, die Mu sik für den Patienten hat.

Hören wir heute genug Musik?

Decker-Voigt: Wir konsumieren Musik mehr als je zuvor, aber wir hören sie im mer weniger, hören ihr weniger zu. Da­ bei besteht eine wachsende Sehnsucht nach Musik, im seelischen Zuhören ebenso wie im aktiven Gestalten. Der Mensch ist nun auch wissenschaftlich erwiesen gesünder, wenn er Musik macht.

Hat die Wirkung von Musik nicht immer auch zwei Seiten?

Decker-Voigt: Alles, was wirkt, kann konstruktiv und destruktiv eingesetzt werden. Mit den positiven Wirkungen von Musik arbeiten bundesweit rund 3000 Musiktherapeuten, und wir alle leben mit Musik und lieben sie. Auf der anderen Seite kann Musik auch stören, schaden und sogar bis zum Tod führen. Mit Musik wurde in der Ming-Dynastie gefoltert. Dauerbeschallung mit extrem lauter Musik oder Musik, die gerade unterhalb der Wahrnehmungsschwelle liegt, kann uns krank machen, kann uns foltern. Im Krieg dient Musik seit Jahr­hunderten auch zur Steigerung der Ag­ gression und zur manipulativen He­ bung der Truppenmoral. So beschleu­ nigt schnelle Musik den Kreislauf, ver­ ändert Blutdruck, Herzrhythmus, At mung sowie alle EKG-und tomogra­ fischen Ergebnisse. Heavy Metal und Techno können tranceartige Zustände hervorrufen und in einem Rhythmus gegen den Herzschlag sogar bis zum Tod führen.

Welche Bedeutung kann Musik haben?

Decker-Voigt: Dass Musik wirkt, war im­ mer schon deutlich, nur nicht wie heute analysierbar. Die Sucht nach „Beat" ganz allgemein im Sinne jeder schlag­ betonten Musik etwa im Pop ist psycho­ logisch immer auch ein Zeichen für Sehnsucht nach Geborgenheit. Denn je­ der regelmäßige Rhythmus erinnert an den mütterlichen Herzschlag, den wir bereits als Fetus in der Schwangerschaft speichern.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft der Musiktherapie?

Decker-Voigt: Nach vier Jahrzehnten ist die Musiktherapie in Deutschland als Therapieform etabliert. Hamburg war mit Heidelberg zusammen die erste hochschulische Ausbildungsstätte. Hier wurden auch bisher die meisten Dok­ torarbeiten geschrieben, deren Autoren heute die zwölf Musiktherapie-Studi­engänge im deutschsprachigen Raum leiten. Aber bei allen Erfolgen in Wis­ senschaft, Forschung und der täglichen Arbeit von bundesweit 3000 diplomier­ ten Therapeuten an insgesamt 800 der rund 1000 Kliniken ist für ambulant arbeitende Kollegen immer noch keine Krankenkassenabrechnung möglich. Eine Therapiesitzung kostet je nach Berufserfahrung des Therapeuten zwi­ schen 30 und 65 Euro. Es lässt sich jedoch Bewegung feststellen. So sind ei­ nige private Kassen, Firmen- und Ge­ nossenschaftskrankenkassen bereit, Kosten zu übernehmen. Es fehlt aller ­ dings noch eine breite gesetzliche Ver­ ankerung der eigentlich lächerlich we­ nigen Musiktherapeuten in unserem Gesundheitssystem.

 

 


 

Allgemeine Zeitung der Lüneburger Heide, 20. Oktober 2010

 

Spuren hinterlassen

Decker-Voigt in Orenburg

Hans-Helmut Decker-Voigt (links), AZ-Kolumnist bei der Übergabe der Ehrenpromotionsurkunde durch Professor Boris Khavtorin von der Rostropovitch-Hochschule Orenburg. Archivfoto: Privat

 

Decker-Voigt geht in den Ruhestand / Kooperation mit Orenburg




dib Uelzen. Mit dem Eintritt in den Ruhestand hat AZ-Kolumnist Prof. Hans-Helmut Decker-Voigt noch Spuren hinterlassen für die Zukunft des von ihm mit gegründeten Instituts für Musiktherapie in Hamburg.
Decker-Voigt war langjähriger Direktor des Instituts an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg. Er wurde Ende vergangener Woche im Rahmen einer akademischen Feier im Spiegelsaal des Museums für Kunst und Gewerbe von Hochschulpräsident Prof. Elmar Lampson offiziell aus diesem Amt in den Ruhestand verabschiedet. Lampson würdigte ihn als großen Pionier und Kämpfer für die Musiktherapie und dankte ihm für seinen engagierten Einsatz für die Belange der Hochschule. Zudem war Decker-Voigt Mitglied des Hochschulsenats und im Studiendekanatsrat.
Seit 1991 leitete er das von ihm mit gegründete Institut für Musiktherapie, das sich heute als Ausbildungszentrum für drei Studiengänge (Zusatzstudium, Master und Promotionsstudiengang) präsentiert.
Decker-Voigt zählt zu den profiliertesten Repräsentanten der deutschen Musiktherapie, der durch verschiedene musiktherapeutische Verfahren, die in Psychotherapie und Medizin übernommen wurden, wissenschaftlich anerkannt ist. Außer durch zahlreiche auch international verbreitete Buchveröffentlichungen vertritt er die Musiktherapie durch Ausbildungsprogramme in der Schweiz, in Osteuropa und Ostasien.
Decker-Voigts gute Kontakte zur Musikhochschule in Orenburg (Russland) legten den Grund für eine künftige Kooperation zwischen Hamburg und Orenburg: Quasi als besonderes Abschiedsgeschenk unterzeichneten heute die Rostropovic-Hochschule der Künste und Musik in Orenburg/Russlandund die Hamburger Musikhochschule einen Kooperationsvertrag über eine enge fachliche Zusammenarbeit und den Austausch von Studierenden.
Orenburg etablierte seinerzeit das erste Studienprogramm für Musiktherapie nach dem „Hamburger Modell". Ende 2009 erhielt Decker-Voigt die Ehrenpromotionsurkunde durch Professor Boris Khavtorin von der Orenburger Hochschule.

 

 

 


 

Allgemeine Zeitung der Lüneburger Heide, 23. September 2010

 

ERINNERUNGEN AN 30 JAHRE „HEUTE..."

Marc Rath

Marc Rath über ein besonderes Jubiläum von Hans-Helmut Decker-Voigt

Ein besonderes Stück Zeit(ungs)geschichte


Im September 1980 wahlkämpften Helmut Schmidt und Franz-Josef Strauß miteinander um die Kanzlerschaft, galten Leonid Breschnew und Jimmy Carter als die mächtigsten Männer der Welt. Für die frisch gegründeten Grünen war die Fünf-Prozent-Hürde noch ein richtiges Hindernis. Twix hieß noch Raider und die AZ bekam genau am heutigen Tag einen neuen Kolumnisten - Hans-Helmut Decker-Voigt. Der Schriftsteller, Psycho- und Musiktherapeut ist während der Jahre von Hösseringen nach Allenbostel gezogen, seine beiden Töchter sind längst erwachsen, die AZ erscheint inzwischen vierfarbig und hat sich während der drei Jahrzehnte das ein und andere Mal ein wenig aufgehübscht. Decker-Voigts „Erinnerungen an Heute" sind dabei wie ein lieb gewordenes Möbelstück mit umgezogen, wurden dann und wann etwas herausgeputzt und sind stets zuverlässig alle zwei Wochen dienstags an dieser Stelle zu finden. Der Autor hat sie uns schon von allen Kontinenten pünktlich geschickt - diese Zeilen wird er in Japan lesen. Nichts ist so vergänglich wie die Tageszeitung, heißt es ja gemeinhin. Für manche ist (naja war) sie am Tag danach nur noch zum Einwickeln von Fischen gut. Mittlerweile sind die ersten Redaktionsmittarbeiter schon - mitunter deutlich - jünger als die ersten „Erinnerungen an Heute". Und auch sonst ist vieles nicht mehr so wie es einmal war. Im dichten deutschen Blätterwald wird man lange suchen müssen, bis man ein ähnliches Jubiläum finden dürfte. Hans-Helmut Decker-Voigts Schilderungen vieler kleiner und manch großer Begebenheiten gehören zum Inventar der AZ. Und das im besten Sinne dieses Wortes. Die Dimension dieses Jubiläums wird einem vielleicht erst richtig deutlich, wenn man es mit den Erinnerungen an damals mal ganz persönlich nimmt. Gehen Sie doch noch einmal 30 Jahre zurück. Der Autor selbst hatte just damals seinen ersten Promi-Kontakt als jungscher Schülerreporter im Range eines stellvertretenden Chefredakteurs der Schülerzeitung. Eine resolute ehemalige Oberbürgermeisterin hakte sich am Rande einer Wahlkampfveranstaltung bei ihm und einem weiteren Neuntklässler mit den Worten „Wir gehen jetzt zusammen zu Johannes Rau" unter. Der war damals noch recht frisch im Amt als nordrhein-westfälischer Ministerpräsident. Die kleine Begegnung griff die Lokalpresse auf. Den Ausschnitt gibt's noch heute - als Erinnerung an damals. Viel ist seitdem passiert. Bei kaum einem konnte man das so prägnant miterleben wie bei Decker-Voigt in seinen Erinnerungen. Eine ganze Gilde an Autoren hat es inzwischen zu berechtigtem Ruhm geschafft, weil sie die Geschichten ihrer Familie und der damaligen Zeit nachträglich rekonstruiert haben. Hans-Helmut Decker-Voigt liefert sie uns praktisch in Echtzeit - fast live. Seine Erinnerungen d zu einem ganz besonderen Stück von Zeitungsgeschichte(n) geworden. Gestern. Heute. Morgen. Und hoffentlich noch viele Jahre. Das nächste Mal am 5. Oktober.

 


 

Die Welt, 23. Januar 2009 (hier auf Welt-Online)

Decker-Voigt 2008

 

 

Rufmordkampagne gegen Hamburger Professor

Von Insa Gall

Hochschule gibt Ehrenerklärung für Musiktherapeuten ab - Zahllose Verunglimpfungen im Internet

Das Mobbing begann vor vielen Jahren, und die Rufmordkampagne nimmt immer drastischere Formen an. In zahllosen Interneteinträgen hetzen zwei Brüder gegen den Hamburger Musiktherapeuten Hans-Helmut Decker-Voigt, verunglimpfen den Professor in persönlicher Weise und stellen seine berufliche Qualifikation in Abrede. Jetzt sieht sich die Hochschule für Musik und Theater zu einem ungewöhnlichen Schritt genötigt: Der Hochschulsenat hat eine Ehrenerklärung für den 63-Jährigen abgegeben. "Sämtliche Vorwürfe sind unbegründet: Sie wurden sowohl von der Hochschule als auch von der Behörde für Wissenschaft und Forschung geprüft und als haltlos zurückgewiesen", heißt es darin. Der Hochschulsenat erkläre "seine uneingeschränkte fachliche und persönliche Wertschätzung für den langjährigen Direktor des Instituts für Musiktherapie", die Hochschule stehe "voll und ganz zu ihm".

Der Rufmord begann schon Anfang des Jahrzehnts. Im Internet stellten zwei Professorenkollegen, die Brüder Karl und Georg Hörmann, die Qualifikation von Decker-Voigt infrage. Ihm wurden "Titelbetrug" und "Anstellungsbetrug" vorgeworfen, weil er kein Abitur gemacht und unzulässigerweise den "PhD" einer US-Universität führe. Tatsächlich litt er als Junge an Kinderlähmung, wurde zu Hause unterrichtet und legte kein Abitur ab, dafür aber eine Sonderbegabtenprüfung für die Uni. Und zu dem "PhD" hat er den Doktortitel der Hamburger Hochschule erworben.

Doch die Anschuldigungen der beiden Brüder hörten nicht auf, im Gegenteil: Sie wurden immer perfider und gehässiger, wie es in der Ehrenerklärung heißt. Juristisch anfechtbare Formulierungen wurden in kürzester Zeit durch rechtlich unangreifbare ersetzt. Mittlerweile schade die Kampagne auch dem Ansehen der Musikhochschule, sagte deren Sprecherin.

Es ist eine Geschichte von Mobbing, die Angst macht. Decker-Voigt hat sie lange Zeit "als eine enorme Belastung" empfunden. Dabei hat er alle Phasen durchlaufen, von der Lähmung über die Fassungslosigkeit bis zu Hassgefühlen und Rachegelüsten. Bei der persönlichen Verarbeitung hat ihm das Buch geholfen, das er über seine Erlebnisse verfasst hat und das Ende vergangenen Jahres unter dem Titel "Vom Selbstmord des Rufmörders - Mobbing im Internet. Eine Erzählung" erschienen ist. Am Ende steht aber vor allem das Mitgefühl, das er für die beiden Brüder empfindet. "Sie sind in der beruflichen Sphäre völlig isoliert. Wenn sie nur zehn Prozent der Anerkennung hätten, die ich bekomme, würden sie nicht eine so destruktive Aggression aufpeitschen", sagt er heute.

Nun will er anderen Opfern von Mobbing im Internet helfen. Nirgendwo sei es so einfach, andere fertigzumachen, zumal Einträge auch nach Jahren noch abrufbar seien. "Internet und Blogs sind ewig - das ist eine gesellschaftliche Problematik ersten Ranges." Im Februar will Decker-Voigt einen gemeinnützigen Verein für den Schutz von Rufmordopfern im Internet gründen, der rechtliche, aber auch therapeutische Beratung anbietet.

 

 


 

 

Allgemeine Zeitung der Lüneburger Heide, 14. Januar 2009

 

„Vom Selbstmord des Rufmörders".

Autorenlesung mit Schriftsteller und Kolumnist Hans-Helmut Decker-Voigt im Neuen Schauspielhaus


Uelzen. Der AZ-Kolumnist, Schriftsteller sowie Hamburger Hochschulprofessor Hans-Hel­mut Decker-Voigt wird nach langer literarischer Produkti­onspause im neuen Jahr drei neue Bücher vorstellen. Portrait Decker-VoigtZur Lesung lädt der Autor deshalb am Freitag, 23. Januar, um 20 Uhr ins Neue Schauspielhaus an der Rosenmauer ein. Der Autor Decker-Voigt liest aus seinen Werken „Als Tante Thea einmal weinte", „Du musst zurücktreten Junge!" sowie „Vom Selbstmord des Rufmörders". Nach einem Glas Sekt be­ginnt die Lesung von Buchauszügen, aus einer Vorauflage sei­ner neuen literarischen Buchveröffentlichungen aus dem Drachen-Verlag/AT-Verlag, der künftig das literarische Gesamtwerk des Autors weiterführen wird. Die erste Vernissage Decker- Voigts fand bereits am 23. No­vember vergangenen Jahres vor der germanistischen Fakultät in der Staatsbibliothek in Orenburg/Russland statt, wo der Autor auch zum Professor h. c. ernannt wurde. Die Veranstaltung wurde damals im TV übertragen und in der russischen Presse als Ereignis der ,,Neu- und Wiederentdeckung eines deutschen Autors" vorbesprochen. Die deutsche Ausgabe wird auf der Frühjahrsmesse 2009 vorgestellt, so dass diese Benefiz-Veranstaltung für die Dach- und Wärmeisolierung des historischen Speichers an der Rosenmauer eine „Vor-Führung" ist.
Die Veranstaltung wird mitgetragen von der Online Seite www.decker-voigt-archiv.de.
Karten für die Autorenlesung im Neuen Schauspielhaus gibt es ab sofort im Vorverkauf für 10 Euro bei der Stadt-Touristinformation Uelzen, Herzogenplatz. Vorabinformationen erhalten Interessierte unter Telefon (0581) 8006172.





 

 

 

Allgemeine Zeitung der Lüneburger Heide, 20. Oktober 2007

 

Heilung durch Musik

Studienprogramm und Austausch mit Russland ab 2008 auch in Ebstorf


Von Marc Rath

Ebstorf/Hamburg. Was im Großen etwa bei den Petersburger Gesprächen vorausgedacht wird, setzt sich im Kleinen bis nach Ebstorf fort. Die deutschrussischen Beziehungen werden jetzt um eine Facette reicher: Heilung durch Musik. Diese Form der Musiktherapie hat der Allenbosteler Professor Dr. Hans-Helmut Decker-Voigt auch im russischen Orenburg populär gemacht. Die Übersetzung von Fachliteratur und eine Gastprofessur führen jetzt zu einer engeren Zusammenarbeit mit zwei Hochschulen der Millionenstadt an der Grenze zu Kasachstan. Die Verträge dazu sind unterzeichnet worden. Und deren Auswirkungen führen von Orenburg über Hamburg und Lüneburg auch nach Ebstorf.
30 Studenten der Rostropovitch-Hochschule aus Orenburg sollen künftig am Institut für Musiktherapie der Hamburger Hochschule für Musik und Theater Gastsemester absolvieren. Zudem ist ein fachlicher Austausch unter den Lehrkräften geplant. Institutsleiter Decker-Voigt knüpft dabei zugleich weitere Kontakte in die hiesige Region. Eine Filiale des Standortes soll im nächsten Jahr an der Klinik Gut Wienebüttel aufgebaut werden. Dort wird als Aus- und Weiterbildungsstätte das Deutsche Präventions- und Pflegezentrum für neurologische Erkrankungen entstehen. Deren Studienprogramm Rezeptive Musiktherapie bekommt eine Heimat im Ebstorfer Dental-Park von Prof. Norbert Schmedtmann.Decker-Voigt mit russischen Kollegen
Als in der vergangenen Woche dafür der Grundstein mit der Unterzeichnung der Verträge für einen gemeinsamen Weiterbildungsstudiengang gelegt wurde, war Ebstorf der Ausgangspunkt. Hier empfingen Decker-Voigt und Prof. Dr. Janos Winkler, einer seiner Partner des künftigen Zentrums in Lüneburg, den Rektor der Rostropowitsch-Hochschule Orenburg, Prof. Dr. Boris Khavtorin, und den Direktor des Psychotherapeutischen Zentrums Orenburg, Prof. Dr. Sergej Babin, nach ihrer Ankunft in Deutschland. Übersetzerin war an diesem Abend Tatjana Resnitzkaja. Die Dozentin aus Orenburg ist ein ganz wichtiges Bindeglied in der Beziehung beider Hochschulen. Sie knüpfte vor zwei Jahren bei einem Gastaufenthalt an dem Hamburger Institut die ersten Kontakte.
Resnitzkaja wird künftig die Koordination des Austausches übernehmen.
In Russland war man auf die Musiktherapie durch zwei übersetzte Bücher des in Allenbostel lebenden Hochschullehrers aufmerksam geworden. Musiktherapie ist dort ein junges und unbekanntes Fach. "Wir sind Pioniere", sagt Rektor Khavtorin, an dessen Hochschule 700 Studenten in zwölf Studiengängen unterrichtet werden. Der Direktor des Hamburger Instituts für Musiktherapie ist dabei ein entscheidendes Scharnier. So wurde Decker-Voigt bei seinem Aufenthalt im Frühjahr eine besondere Ehre zuteil: Die vor zehn Jahren gegründete Hochschule verlieh dem Allenbosteler und dem berühmten russischen Cellisten und Dirigenten Mstislav Rostropovich den Titel "Professor honoris causa". Der Namensgeber der Hochschule bekam diese Auszeichnung anlässlich seines 80. Geburtstags, wenige Wochen vor seinem Tod.
Die Tinte unter den Kooperationsverträgen ist nun getrocknet. Und es geht im rasanten Tempo weiter. Niedersachsens Wissenschaftsminister Lutz Stratmann (CDU) will die Schirmherrschaft über das Projekt übernehmen. Am 20. November ist das Abschlussgespräch geplant. Die ersten sechs Studenten aus Orenburg erwartet Decker-Voigt bereits für 2008 im Flecken.




 

Reaktionen auf den Vortrag von Hans-Helmut Decker-Voigt im April in Berlin (anläßlich der Zusammenführung dreier Musiktherapie - Verbände):

 

 

 

"Transparent" - Newsletter der deutschen Gesellschaft für Musiktherapie (GGMT) 3/2007, S. 5


Bis das der Tod Euch scheide...?

Hans-Helmut Decker-Voigts Ansprache war als emotionale Einstimmung auf die Mitgliederversammlung dann ein erster Höhepunkt des Tages. Schon die Bereitschaft dieses großen Pioniers der deutschen Musiktherapieszene, sich einzumischen und das Vorhaben zu unterstützen, versprach einen spannenden Vortrag. Unter dem Titel "Zusammenwachsen, zusammen wachsen bis dass der Tod Euch scheide?" begann Decker-Voigt mit einem Gebet der Heiligen Theresia von Aquila zum Thema "Erfahrungen" und sprach dann über Phasen von Streit und Vereinigung, wie sie auch in gruppendynamischen Prozessen vorkommen. Anhand eines Bildes von Spitzweg philosophierte er über die Dynade von BVM und GGMT, die von einem dritten, NORO als Bildbetrachter, beobachtet wird.

Einen nicht kleinen Teil seines Vortrages schien Decker-Voigt wohl auch nutzen zu wollen, den Beteiligten eine Warnung vor destruktiven Energien ins Stammbuch zu schreiben. Er versäumte es nicht, darauf aufmerksam zu machen, dass es auch immer wieder narzisstische Persönlichkeitsstrukturen der handelnden Personen sind, die es - nicht nur - der Musiktherapieszene schwer machen, konstruktive Wege zum Nutzen des Ganzen einzuschlagen. Wohl kaum ein anderer Redner hätte es so gut verstanden, lediglich anhand eines kleinen Wortspiels die Destruktivität zu verdeutlichen, die auch unserem Berufsstand innewohnt: Das Wort "Music Therapist" verwandele sich nämlich durch geschickte Silbentrennung in... - "music the rapist."

Wer von dem charismatischen und poetischen, mit Wortspielen bestückten Vortrag von Decker-Voigt noch Zweifel am Sinn der Sache hegte, hatte danach wohl große Schwierigkeiten, diese aufrecht zu erhalten.

 

 

Volker Bernius in der "Musiktherapeutischen Umschau 2/2007, und Ruprecht Vandenhoeck, Göttingen

Offen für andere bleiben


Prof. Dr. Hans-Helmut Decker-Voigt, Direktor des Institutes für Musiktherapie der Hochschule für Musik und Theater Hamburg, ermunterte in seinem Referat "Zusammenwachsen - zusammen wachsen" zum Prinzip des "Pro - Feed" statt zum ausschließlich "Feed - Back". Zum Mutmachen für das Engagement, für das Unterstützen derjenigen, die sich engagieren. "Durchhalte - Maßnahmen" seien manchmal wichtiger als Lob nach gelungenen Aktionen. Decker-Voigt, der seit ganz langer Zeit wieder bei einer Tagung einer Musiktherapieorganisation auftrat, hatte seit Jahren die gemeinsame Zusammenarbeit angemahnt und sie schließlich auch in "seinem" Weltkongress für Musiktherapie 1996 in Hamburg gefordert und verwirklicht. Der 8. Weltkongress Musiktherapie (s. MU, 1996, Heft 3 und 4, S. 267 - 303), seine Vorbereitung und seine Nacharbeit gilt gerade heute für die deutsche musiktherapeutische Landschaft als einer der Wegbereiter und als ideeller Gedankenanstoß für die nun hoffentlich gelingende "Verschmelzung" musiktherapeutischer Vereinigungen. Ein spätes, aber wirkungsvolles und nachhaltiges Erfolgserlebnis des Hamburger Professors. Decker-Voigt, der selbst vor über 30 Jahren mit "musiktherapeutischer Gremienarbeit" begonnen hatte, formulierte seine Erinnerungen und Erfahrungen als Einzel - Wünsche an die musiktherapeutische Community: Bezogen auf Kränkungen "gesund zu bleiben" in alten und neuen Funktionen, einen guten Umgang miteinander pflegen mit einem Feedback als "sozialer Schmiere", ein feedback per Internet zu ermöglichen, für einen dauerhaften Rechtsbeistand zu sorgen, die unterschiedlichen Berufsprofile beizubehalten, die community musictherapy weiter zu kultivieren und keine Einkesselung mehr zuzulassen. Besonders hob Hans-Helmut Decker-Voigt jedoch als Hoffnung und Appell hervor, dass auch diejenigen, die sich derzeit noch nicht zu einem gemeinsamen Prozess zusammenfinden könnten, wie z. B. die Gesellschaft für Orff-Musiktherapie (die aus dem Weg der Einigung im Herbst 2006 ausgeschieden war) oder die Deutsche Musiktherapeutische Vereinigung zur Förderung des Konzeptes nach Schwabe (DMVS, vormals DMVO). Für andere einen Zugang bereit zu halten, dazu sollte die neue Gesellschaft offen sein.

 

 


 

Pressemitteilung
des Instituts für Musiktherapie
der Hochschule für Musik und Theater Hamburg

 

5. Juni 2007

 

 

Russische Ehrenprofessur für Hamburger Musiktherapie-Professor

Zusammen mit dem russischen Cellisten und Dirigenten Mstislav Rostropovich zu dessen 80. Geburtstag (wenige Wochen vor dessen Tod) und der in Moskau lehrenden Musikwissenschaftlerin Prof. Dr. Elena Dolinskaya wurde dem Direktor des Instituts für Musiktherapie der Hamburger Hochschule für Musik und Theater, Prof. Dr. Hans-Helmut Decker-Voigt, der Ehrentitel eines "Professor honoris causa" von der Rostropovitch-Hochschule der Künste und Musik in Orenburg/Russland verliehen.

Die Ehrung wurde bereits Anfang April vom Wissenschaftlichen Rat beschlossen vor dem Hintergrund der bisherigen in das Russische übersetzten Arbeiten Decker-Voigts und seiner Gastprofessur an der Orenburger Hochschule im Rahmen des Deutschen Akademischen Aus-tauschdienstes (DAAD) im März.

Die Rostropovitch-Hochschule wird in Folge dieser Aktivitäten das erste Studienprogramm für Musiktherapie nach dem "Hamburger Modell" etablieren - in Verbindung mit dem Psychotherapeutischen Zentrum und der Dynamischen Psychiatrie der Region Orenburg. Zur Vorbereitung der weiteren Kooperation werden der Rektor der Orenburger Hochschule, Prof. Dr. Chavtorin und die Dozentin Tatjana Resnitzkaja als künftige Koordinatorin des ersten akademischen Musiktherapie-Studienprogramms die Hamburger Hochschule für Musik und Theater Anfang Juli offiziell besuchen.

(aus dem Russischen übersetzt und redigiert von Tatjana Resnitzkaya, Orenburg)

 


 

Allgemeine Zeitung der Lüneburger Heide, 26. Februar 2007

 

Liebesgeschichte in der Sakristei

Decker-Voigt las zugunsten der Gerdauer Orgel


Von Ute Bautsch-Ludolfs

Gerdau. Zwischen der dramatischen Orgeleingangsmusik bis hin zur swingenden Schlussmusik, beides gekonnt dargeboten von Christiane Schirmer, hatte am Freitagabend Hans-Helmut Decker-Voigt das Wort in der Gerdauer Kirche. Dabei ging es unterhaltend und absolut kurzweilig „von der Königin der Musikinstrumente bis hin zu dem Königlichen in jedem von uns“ – so der Titel des Vortrags.

Im Plauderton gab es Wissenswertes über das älteste Instrument der Welt, das zur Gruppe der Aerophone gehört und ungemein reich an Tönen und Klangschattierungen ist. Das Königliche, „Einzigartige des Menschen ist seine unverwechselbare Stimme“, hob der Direktor des Institutes für Musiktherapie in Hamburg hervor. Nebenbei: Bis man ihn richtig verstand, jedoch auf die Akustik bezogen, brauchte es mehrere Anläufe.

Dann die meisterhaften Erzählungen des vielfachen Buchautoren über die Kirche und ihre Menschen. Er selber stammt aus einem ihn prägenden Generations-Pastorenhaus. Pikant, plüschig, prekär, privat, aber absolut packend waren die Geschichten – es ging um Kirchenschläfer oder das Storchenstandbein eines „gescheiterten“ Pastors bis hin zur Liebesgeschichte in der Sakristei einer Wiener Kirche.

Der Musiktherapeut hatte alle Register einer brillanten Vortrags- und Lesetechnik gezogen, sei es die stimmliche Ausführung oder der Gebrauch rhetorischer Figuren. Und der I-Punkt: Nicht nur den Zuhörern hat es gefallen, sondern auch der Spendenkasse zur Renovierung der Orgel.

Lesung 2007

 

 


 

Allgemeine Zeitung der Lüneburger Heide, 22. Januar 2007

 

AZ, 22.01.2007Hektischer Trommelwirbel

Ungewöhnliches beim Neujahrsempfang der MIT


oha Bad Bevensen. "Bitte trommeln sie doch mal den Rhythmus ihres Arbeitstags. Ja, sie haben richtig gehört, ihres Arbeitstages." Als Prof. Dr. Hans-Helmut Decker-Voigt einst einem Politiker diese Aufgabe stellte, bekam der Direktor des Instituts für Musiktherapie der Hochschule für Musik und Theater Hamburg einen dreiminütigen, hektischen und lauten Trommelwirbel zu hören. "Und es wäre noch weiter gegangen, hätte ich nicht unterbrochen", erklärt Decker-Voigt seinen erstaunten Zuhörern am Sonnabend.
Die Zuhörer waren in diesem Falle die Mitglieder der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung (MIT), Kreisverband Uelzen. Und so mancher von ihnen hatte sich zu Beginn des Vortrags mit Sicherheit gefragt, wieso Vereinsvorsitzender Christian Teppe genau diesen Referenten eingeladen hatte und was ein Musik- und Psychotherapeut eigentlich mit der Wirtschaft zu tun hat.
Über die Gesundheitsreform und die dazugehörigen Pläne der Europäischen Union spannte Decker-Voigt den Bogen zu den Künsten und ihrer Rolle in der Medizin. Anhand kleiner Beispiele machte der AZ-Kolumnist die Auswirkungen von Musik auf den Hörenden deutlich. Angefangen vom rhythmischen Fußwippen bis hin zum Herzrasen. Dass Kunst und Musik dementsprechend auch gesundheitsfördernd eingesetzt werden können ist eigentlich nichts Neues, doch erst seit Kurzem finden sie Einzug in das deutsche Gesundheitssystem.AZ, 22.01.2007Nebst der körperlichen Gesundheit zählt nun auch die Gesundheit des Geistes - und ein gesunder Geist braucht Momente des Stressabbaus bzw. muss ein Gegengewicht zum körperlichen Stress im hektischen Alltag bilden. An dieser Stelle kommt wieder der trommelnde Politiker ins Spiel, und mit ihm auch das für die Wirtschaftsvertreter Interessante: Führungskräfte müssen mit immer mehr Unberechenbarkeit in ihrem beruflichen Leben umgehen können, und genau diese Fähigkeit muss erlernt werden. Bei Seminaren zu diesem Thema kommen oft Musik oder Malerei zum Einsatz - nicht, um neue Sinfonien zu komponieren oder neue Meisterwerke zu malen, sondern, um durch die Konfrontation mit etwas unbekanntem zu lernen.
An diesem Punkt setzte später auch die Diskussion unter MIT-Mitgliedern sowie den geladenen Gästen an, denn die Männer und Frauen aus Wirtschaft und Politik konnten aus dem Vortrag viele Anregungen mitnehmen. Und wer weiß, vielleicht werden demnächst einige von ihnen den Arbeitstag auf einer Trommel Revue passieren lassen.

 





 

Allgemeine Zeitung der Lüneburger Heide, 13. September 2006

 

Decker-VoigtAls Pionier gewirkt

Decker-Voigt erhält Ehrenmedaille aus Budapest


Prof. Dr. Hans-Helmut Decker-Voigt, Direktor des Instituts für Musiktherapie der Hochschule für Musik und Theater Hamburg, wurde am 8. September 2006 mit der Ehrenmedaille der Eötvös Lorand Universität Budapest (ELTE Universität) geehrt.
Sie wurde ihm im Rahmen einer Akademischen Feier vom Rektor der Universität, Prof. Ferenc Hudecz feierlich überreicht. Der anwesende Minister für Erziehungswesen Istvan Hiller dankte Decker-Voigt im Namen der Republik Ungarn für seine mehrjährige akademische Pioniertätigkeit.
Prof. Dr. Decker-Voigt leitete neben seiner Hamburger Institutsarbeit an der Budapester Eötvös Lorand-Universität nach drei vorbereitenden Jahren der Ausbildung von Multiplikatoren das erste staatliche Studienprogramm für Musiktherapie an der Heilpädagogischen Fakultät in Ungarn als ehrenamtlicher Stiftungsprofessor nach dem von ihm gegründeten sog. "Hamburger Modell".
Dr. Decker-Voigt wurde im Anschluss an die ungarische Lehrtätigkeit zu ähnlichen Stiftungsprofessuren an die Tallinn Universität/Estland und auf eine Gastprofessur an der Universität Ohrenburg/ Russland eingeladen.



Allgemeine Zeitung der Lüneburger Heide, 7. März 2006

 

VorstandEine Frau übernahm wieder das Ruder

Neuwahlen beim Verein Decker-Voigt-Archiv


Vorstandswahlen standen an bei der Mitgliederversammlung des Vereins Decker-Voigt-Archiv, zu der Geschäftsführer Winfried Treptow unter anderem den Ratsherrn und Uelzen-Kenner Wolfgang Mocek begrüßen konnte. Denn die erste Vorsitzende Gajer-Koloska aus Berlin und der stellvertretende Vorsitzende, Walter Unvericht aus Ebstorf, hatten jeweils aus persönlichen Gründen ihre Vorstandsämter niedergelegt.
Einstimmig wählte die Versammlung die Rechtsanwältin Anetka Christiansen zur 1. Vorsitzenden und Steuerberater Burkhard Schenk zum stellvertretenden Vorsitzenden. Rechtsanwalt und Notar Winfried Treptow wurde erneut in seinem Amt als Geschäftsführer des Archivs bestätigt.
Die Kassenlage des Vereins ist solide. Dennoch würde der Verein sich über (steuerlich abzugfähige) Spenden zur Unterstützung seiner Arbeit sehr freuen. Die Internet-Darstellung soll verbessert werden. Winfried Treptow hofft, daß die literarischen und wissenschaftlichen Werke des Namensgebers, Professor Dr. Hans-Helmut Decker-Voigt, weiterhin durch das Wirken des Vereins weltweit Anerkennung finden.



Allgemeine Zeitung der Lüneburger Heide, 10. Februar 2006

 

Collage in Öl für Decker-VoigtEine Collage in Öl für Namensgeber


Unlängst nutzten die Verantwortlichen des Decker-Voigt-Archivs e. V. die Gelegenheit, ihrem Namensgeber nachträglich zur Vollendung seines 60. Lebensjahres eine Collage in Öl zu überreichen. Das Präsent, bestimmt für das Arbeitszimmer des Jubilars, wurde in den neuen Räumen des Archivs (Anwaltspraxis Treptow/ Klamann/ Christiansen) vom Archiv-Geschäftsführer, Rechtsanwalt und Notar Winfried Treptow, überreicht. Prof. Dr. Hans-Helmut Decker-Voigt nahm die Collage in Öl, die seine künstlerische und wissenschaftlichen Werke, aber auch sein Leben als Schüler und Student widerspiegelt, hoch erfreut entgegen.