Coronarius

     

Alle schreiben über Corona und die Folgen. Ich über das Wort.
Das freundlich wirkende Wort „corona“ (lat.), meinte den „Kranz“, den Kranz auf den Köpfen von Mädchen und Frauen bei z.B. Jungfrauen-Festen. Feierliches meint der Kranz, die Corona auf dem bräutlichen Kopf bei Hochzeiten. „Coronarius“ meint das zum Freuden-Kranz „Zugehörige“, z.B. Geldgeschenke. Würdig-paradenhaftes meint Corona bei rückkehrenden Feldherren in der Antike (der Kranz aus Lorbeer) oder bei großen Dichtern. Glänzend, faszinierend, magnetisch wirkt die „Coronatio“; die Krönung fürstlicher Häupter – auch bei noch so demokratischen Formen der Volksherrschaft (Republik). Die Windsor-Krone auf dem Haupt der Queen war ein übergewichtiger Nachfolger des leichten Lorbeerkranzes.
Jetzt haben wir Corona als Krönung - der Epidemie zur Pandemie.
Corona meinte aber auch immer schon Bedrohung: Im Militär war sie, die Corona, eine Truppenkette, eine Linie, die zum Einschließen des Feindes diente. Wieder Leichteres: Die Kronen, die als Aushängeschild an traditionellen Gaststätten baumeln, meinen Orte, an denen unsere deutsche Sprache von „Corona“ redet. Bei einer neuen Gruppe, die sich durch die Tür in den Biergarten oder das Restaurant drängt, heißt es dann, da „kommt noch eine Corona“.
Schweres in der Gegenwart:
Die jetzige Corona, Krone, umklammert jetzt das Haupt unserer Mutter Erde und wie die vertraute Krone der Windsors auf dem Haupt der Queen liegt sie mit ihrem schweren Übergewicht auf unserem Körper und Kopf und dessen Inhalt, unserem Fühlen und Denken und fremdbestimmtem Handeln aus Sicherheitsgründen.

 

Von der Schwere der königlichen Krone zur gegenwärtigen Schwere als Folge von Covid 19: Diese Schwere mit Nachkriegszeiten zu vergleichen („...gab es zuletzt 1945“) ist emotional verstehbar, aber moralisch nicht. Die Schwere auf dem Deutschland nach 1945 war die Folge des selbstgemachten Angriffs auf den Rest der Welt und entzog den Angegriffenen ihre bisherige Selbstbestimmung. Die jetzige Corona greift die Welt unserer Erde an und zwar mit globaler Fremdbestimmung.
Etwas Leichtes in der Zukunft:
Jetzt bleiben wir überwiegend und vielleicht bald alle zuhause. Vielleicht werden wir neun Monate nach diesem März, neun Monate nach dem kommenden April und vielleicht noch Mai oder gar Juni (Gott behüte uns...) Zahlen aus den Entbindungsstationen hören, die zum Wiederaufbau der Wirtschaft beitragen: Corona-Babys. Und die trügen dann wieder imaginierte oder richtige kleine Freudenkronen. Und nicht nur, weil sie die künftigen Steuerbürger werden. Also nicht „Gott verhüte...“ , sondern das Gegenteil.

Vielleicht sind es schon vor den Corona-Babys nachbarschaftliche und/oder freundschaftliche und/oder schlicht menschenfreundliche Begleitungen, die Hoffnungsarmen wieder Hoffnung gibt.
Friedrich v. Schillers „Hoffnung“ beginnt so:

Es reden und träumen die Menschen viel,
Von bessern, künftigen Tagen.
Nach einem glücklichen goldenen Ziel
Sieht man sie rennen und jagen.
Jogi Löw ist kein Schiller, aber er meinte dasselbe. Es gibt jetzt die Chance des Lernens,  nach Corona eben nicht wieder nur „goldenen Zielen“ nachzujagen. Sondern Wichtigeres langsam als Geschenk zu sehen.




Den Autor erreichen Sie unter:

Prof.Dr.Decker-Voigt@t-online.de

 
24. März 2020