Beherztsein und das Gegenteil

     

Mit der Familie, von der ich weiß, dass der Familienvater in der AfD ist, habe ich ein erhebliches Problem: Die Familienmitglieder sind mir sympathisch. Sehr sogar. Alle.
Vater, Mutter, alle Kinder, d.h. weit mehr als zwei. Sie luden das Dorf ein, als sie den Hof gekauft hatten. Sie grüßen allesamt, das jüngste wie das älteste Menschenkind dieser Familie, nicht nur höflich. Die Jungen mit angedeutetem Diener und wenn das Mädchen noch geknickst hätte, wäre ich sentimental gerührt ob dieses Erscheinungsbildes.
Inzwischen bleiben wir stehen, wenn wir uns auf Spaziergängen treffen. Es wird nach Gesundheit oder dem Kindergarten oder der Einschulung eines der Kinder gefragt. Sympathisch eben. Obwohl wir voneinander wissen, wer wir politisch sind.
„Vier der Programmpunkte Ihrer Partei“, hatte ich anlässlich der letzten Wahl zu dem Mitbürger gesagt (er ist sogar Funktionär in der AfD),“würde ich sofort unterschreiben. Der Rest allerdings befremdet nicht nur. Er fordert heraus.“
Diese Positionierung provozierte in der menschlichen Beziehung, wenn wir uns draußen in der Natur auf den Fahrrädern oder zu Fuß treffen, keinen Bruch. Es gibt genug zu reden. Die Familie kaufte schönes Land und pflegt es, Blühwiese, neue Obstbaumplantage.

In Ebstorf und anderswo formierte sich jetzt der

 

Kreis der „Beherzten“, die geographisch- nachbarschaftlich  mit Völkischen Siedlern und Gesinnungsverwandten zusammenleben. Zusammen zu leben versuchen. Einander soweit zu verstehen versuchen, dass Nachbarschaft weiter möglich ist. Oder erstmals. Ich war nicht da, hörte nur viel Gutes, weil Bewusstseinsschärfung immer gut ist. Und nicht gut ist, was meine Großmutter sagte: „Nie über Politik oder Religion reden.“ Das Nichtreden führte in Schlimmstes. Damals, als sie ein junges Mädchen war.
Eine Eintrübung gab es: Vor dem Veranstaltungsort für die so wichtige, so nötige, mutige Versammlung der Beherzten in Ebstorf soll ein Schild gestanden haben, das nur Demokratie-Freunde willkommen seien, keine Rassisten, Demokratiegegner. 
Hätte im Falle einer Ruhestörung im Saal (wie oft passiert bei solchen Treffen im deutschen Mutterland) nicht das Eingreifen der anwesenden Polizei genügt? So erhebt sich wieder die Frage, welche Folgen (wir) Demokraten auslösen, wenn wir Andersdenkende ausgrenzen. Und so dasselbe machen wie die anderen…
Was ich bisher als bessere Strategie lernte: Zusammensetzen, um sich auseinanderzusetzen. Den Beherzten auf beiden Seiten sei in unseren Dörfern für diese Strategie beherzte Unterstützung gewünscht.   




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Prof.Dr.Decker-Voigt@t-online.de

 
20. August 2019