Der Hase von Poel

     

Auf der Insel Poel in der Nähe einer der  Ostsee-Reha-Kliniken  zeigte er sich vorösterlich: ein Hase. Ein Häschen. Von der Natur fast auf der schwimmenden Grenze zwischen Meer und Ufer geformt…
Nein, hier folgt nichts, was überall schon zum Thema Hase und Ostern erforscht wurde. Allein die Universität Erfurt bietet Unmengen davon: Hase als christliches Symbol, Hase als Supermarktobjekt, als einseitiges  Fruchtbarkeitssymbol. Einseitig, weil ein Rammler zu einem solchen überhaupt erst durch die Häsin wird.
Nein, nichts davon.       

Zu dem Häschen auf jenem etwas entfernteren Strandabschnitt auf Poel gelangt man der Verkehrsrichtung "Schwarzer Busch" folgend. Dort trifft man ihn jetzt. In einer auffallenden künstlerischen und familientypischen Aufstellung: Auf dem Findling weitere Steine, die wie ein menschliches Elternpaar des Häschens wirken.

Osterhase Poel

 

Ein traditionelles Elternpaar: Muttern näher am Kinde, Vattern das Ganze von hinten bergend. Solche Kunst finden wir in der Berg-Kultur der Inkas, an Stränden asiatischer Länder. Und jetzt auf Poel.

Christine fotografierte das Gesamtkunstwerk und in der digitalen Vergrößerung zeigte sich, wie oft menschliche Wahrnehmung glaubt zu sehen, was nicht ist. Jedenfalls meine: Das Wesen war mitnichten von der Natur geschaffen. Die Ohren des Häschens waren zwar rosa wie einzelne kleine Steine auch, aber eben nicht natürliches Rosa und schon gar nicht steinern. Die Ohren angemalt, aus Stoff und aufgeklebt. Orkansicher.
Der Supermarkt lässt grüßen, denn die Tube Sekundenkleber lag zwei Meter weiter, um in Sekunden etwas für die Ewigkeit zu festigen.
Der Nachwuchshase lässt uns erinnern, dass wir zwischen Sekunden und Ewigkeit jetzt noch fünf ganze Tage haben, den kleinen Hasen bei uns in der Ostheide auf einem unserer Findlinge Reklame machen zu lassen. Für Ostern. Für die Heide. Für unsere Fruchtbarkeit.
Nur würde die künstlerische Gestaltung und die Anordnung der Figuren moderner sein: Das Kind zwischen den Eltern oder im Dreieck zu ihnen sitzend.
Und dazwischen ein bemaltes Ei.

Darüber, wie der Hase zum Ei kommt und beide zum Osterfest gehören, gibt sie reichlich Auskunft:  Universität Efurt („Was hat der Hase mit Ostern zu tun?“)



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Prof.Dr.Decker-Voigt@t-online.de

 
16. April 2019