Es bleibt immer was hängen…

     

Jede und jeder erlebt es: Das Phänomen von Gerüchten. Es bleibt immer was hängen. Auch wenn alles  juristisch widerlegt ist und derjenige, der das Gerücht in die Welt setzte, selbst öffentlich bereut, dass er gelogen oder sich geirrt habe – es bleibt was hängen. Schlimm.
Noch schlimmer, wenn Gerüchte keine sind, sondern schlimmste Realität. Kürzlich spiegelt der SPIEGEL namentlich einige Hochschulen für Musik,  Hochschulen für Kunst als Tatorte für sexuelle Übergriffe. Das strahlende Bild des  Palais an der Außenalster  meiner Mutter-Hochschule erscheint  im SPIEGEL als ein solcher Ort der dunklen Geschehnisse.
Der Spiegel zitiert – nach Opfern sexueller Übergriffe an den Hochschulen in München, in Düsseldorf und anderswo - ein Opfer, das 25 Jahre nach Übergriffen durch ihren Professor in Hamburg  nun öffentlich redet, ermutigt durch die MeToo-Bewegung. Und es ist furchtbar, was die damals junge Frau aus Asien in der Abhängigkeit von ihrem Professor erlitt – und all die anderen Opfer an anderen Hochschulen.

Es ist der MeToo-Bewegung zu danken, dass auch durch sie Bewegung in die oft tradierten Rollenmuster (Meister-Schülerin, Idol-Fan) gerade dort kommt, wo überwiegend Einzelunterricht gegeben wird in einem Raum für zwei.
 

Manchmal Mansarden-, Kämmerchengröße, die auch noch zu füllen sind mit dem Medium Musik, das ohnehin für emotionale Nähe steht.
Gefährliches, Schlimmes kann geschehen und geschieht. Wie überall, wo Autoritäten dieselbe ausnutzen und Macht ausüben. Sexuelle Macht, die meist schon im Atmosphärischen beginnt. Gegen diese Macht ist mit aller Macht der Verantwortlichen mittels Rechtsstaat anzugehen.
 Einerseits.
Andererseits passiert, was immer passiert bei Schlimmem, das sich bewahrheitet, wenn – wie im SPIEGEL – die Namen von Opfernamen stehen, aber kein Täter. Es passiert Pauschalierung. Generalverdacht. Priester,  Heimerzieher, Krankenpfleger, jetzt Professoren. „Die sind doch alle…“
Generalverdächtigung bei kleinen Berufsgruppen (wie Geistlichen, wie Professoren im Einzelunterricht, Psychotherapeuten usw. usf.) ist nicht nur schlimm, weil immer was hängenbleibt bei allen. Und darunter sind viele, die meisten, die allermeisten, die sich mit Courage, ziviler und juristischer,  gegen sexuelle Übergriffe angehen.  

Manchmal, dies nur am Rand, manchmal sind auch Männer Opfer. Wenn sie bei „Angeboten“ Nein sagen.



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Prof.Dr.Decker-Voigt@t-online.de

 
14. Mai 2019