Der Monat des Kerzenlichts

     

„Alles klar?“, fragte Alexander mich nach seiner klugen Antwort. Aber seine Frage war gar keine, weil er sicher annahm, dass mir alles klar sein müsse.
Gefragt hatte ich nach „Lux“, das ich aus dem Lateinischen kenne und was schlicht „Licht“ heißt. Aber mir fehlte schmerzhaft physikalisches Basiswissen. Ich hatte auf die Antwort gehofft, ein Lux sei das Licht einer Kerze. Pustekuchen bzw. ausgepustet diese Romantik.
„Lux meint die Helligkeitsstärke“, hat Alexander geantwortet und davor erklärt, was „Lumen“ sei, wonach ich gar nicht gefragt habe. Immer diese Antworten auf ungestellte Fragen! Lumen, das weiß ich doch auch, heißt ebenfalls „Licht“ – und vieles mehr. Bei Alexander, der kein Latein kann, bedeutet „Lumen“ jedoch die Strömungsrichtung eines Lichtes. „Lichtausbeute“, sagt Alexander. Alles klar?  
Grund für meine Frage sind die überall geborenen Lichterwelten: In Hamburg vor dem Rathaus leuchtet es bis in den Himmel, in Uelzen vor zwei Rathäusern, dem alten und dem neuen, leuchtet es. In Meyers Praxis leuchtet es auf dem Thresen der Rezeption in Ebstorf links an der Ecke rund um einen Nikolaus.

„LED-Licht“, sagt Frau Schwarz und ich frage
 

mich woanders weiter durch die Lichterwelten, um Licht ins Dunkel meiner Bildung zu bringen.

Elektrisches Licht, Licht, das flackert wie eine Kerze, ohne eine zu sein, blauweißes Licht, grellweißes, giftgelbes Licht.  Ich denke an unsere Wachs-Kerze mit dem Lichtschein, der leider keine genaue Luxeinheit ist. Nur eine Messeinheit.
„Wir nehmen wegen der Kinder keine echten Kerzen,“ höre ich. Mit jener Portion Vorwurf gepaart, die eventuellen Leichtsinn ausbremsen soll.
Dann bekomme ich ein Advents-Geschenk: eine aus Holz geschnitzte Kerze. Mit Teller am Kerzenfuß und einer rötlich angemalten Flamme. Hübsch. Aber auch als Mahnung gedacht, keine echten Kerzen zu nutzen.
Ja doch, ja doch, ich verstehe. Mit und ohne Kinder ist es bodenloser Leichtsinn, echte Kerzen zu brennen, weil sie einem den Boden unter den Füßen wegbrennen können.

Ich begrenze also „Lux“ auf den lateinischen Titel vom Christkind: Lux ex luce. Licht aus dem Licht. Und vertiefe weder Physik noch meinen Leichtsinn mit Folgen.



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Prof.Dr.Decker-Voigt@t-online.de

 
10. Dezember 2019