Himmeldonnerwetternochmal!

     

Untererzengel Gabriel der Kleine eilte zu seinem nächsthöheren Vorgesetzten, dem Erzengel gleichen Namens. „Ich habe ein doppeltes Problem in der Aufnahmeabteilung. Da stehen vor der Tür zwei Schlangen von gewesenen Menschen und wollen rein zu uns.“
„Na und? Wo ist das Problem? Wir haben doch immer verschiedene Schlangen, je nach Politik und Religion und deren Gegnern. Nach Sündenregister und so,..“
„Die eine Schlange will nur rein, wenn die andere nicht darf. Und umgekehrt“, sagte Gabriel der Kleine.
„Und das zweite Problem?“
„Wenn ich in die gewesenen Gesichter schaue“, flüsterte Gabriel der Kleine, „sind mir eigentlich alle sympathisch. Die gewesenen Rechtsextremen, die auf Erden nur schwer Andersdenkende dulden. Und die gewesene Gegenseite, die dasselbe macht. Ausgrenzung auf allen Seiten. Einschließlich Körperverletzungen und Beleidigungen unterhalb der Gürtellinie bei denen, die die schlechteren Nerven haben. Einschließlich der Gläubigen sämtlicher Glaubensgemeinschaften und sowas…“
„Aus welchem Land eigentlich?“ fragte der Erzengel, „Deine Schilderung passt derzeit auf leider greulich viele Erdflecken.“
„Deutsche. Ostheide. Deutsche Ostheide oder so…“

„Himmeldonnerwetternochmal“ entfuhr es dem Erzengel und er schlug seine Hand vor den Mund, sich umsehend, ob ihn jemand von den niederen Seraphim gehört hätte.
 

Dann schimpfte er weiter. “Ich verstand ja damals in der Weimarer Republik, wo so viele hier ankamen wegen Hunger und dessen Folgen. Damals spalteten sie sich  - landauf und ab. Aber heute, wo es so vielen so gut geht, spalten sie schon wieder. Landab und auf. Einfach unfähig, mit Demokratie umzugehen! Himmeldonnerwetternochmal!“ Diesmal zischte der Erzengel. „Einfach alles zuviel Männer!“
Gabriel der Kleine machte sich vorsichtig stark. „Heute sind die Frauen aber auch im Kommen, nach ganz oben. Nur da draußen warten – zugegeben - ganz wenige Frauen. Sind noch im Experimentierstadium da unten, was Staaten- und Parteienlenkung angeht. Aber sie kommen. Nach ganz oben.“
„Ganz oben ist hier, Kleiner, und jetzt geh vor die Tür  und halte allen draußen die Standardpredigt Nr. 3a des Juniorchefs. Du weißt ja, alle sind willkommen und die größten Sünder allzumal. Ausgrenzung - keine Chance. Außer, wenn jemand nicht zu uns will, sondern  in die Gegenrichtung, Hölle und so. Das ist zu respektieren. Schick sie alle erstmal in die Reueabteilung. Danach dann auf Wolke 7 mit dem großen Loch zum Rumgucken auf diese…diese…wie heißt dieser Flecken da unten nochmal?“
„Deutsche Ostheide.“

„Egal“, schloss Gabriel der Große. „Frag sie beim Blick auf das von ihnen hinterlassene Getümmel, was sie aus der Perspektive hier oben hätten anders machen wollen.“



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Prof.Dr.Decker-Voigt@t-online.de

 
03. September 2019